Bruderschaft II, § 496

Urusvati weiß, dass jeder, der falsch handelt, sich vor allem damit rechtfertigt, man habe ihn nicht verstanden. Je mehr ihr die menschlichen Beweggründe kennen werdet, umso mehr wird man euch des Unverständnisses beschuldigen. Es lässt sich bemerken, wie sehr die Menschen ihre eigene Schuld auf andere zu übertragen suchen. Wir wollen jedoch nicht alle Arten menschlicher Verstellung aufzählen, da sonst kein Buch, sondern eine ganze Bibliothek entstünde. Es ist verwunderlich, dass die Menschen erst dann nach Hilfe suchen, wenn bereits keine Rettung mehr möglich ist. Man könnte vielleicht meinen, sie handelten so aus Schüchternheit oder Zaghaftigkeit, doch hat dies leider einen anderen Grund. Die Menschen denken gar nicht erst über jenen Mittelpunkt nach, von dem Hilfe kommen kann, geschweige, dass sie sich ihm anvertrauen. Erst wenn die Not sie an der Kehle packt, sind sie bereit, sich der vergessenen Türme zu erinnern. Nicht nur Ungebildete handeln derart unüberlegt, sondern sogar sehr belesene Menschen verfahren mit erhabenen Dingen in unwürdiger Weise. Die menschliche Psyche wird unverständlich, wenn die Menschen nicht mehr zu unterscheiden vermögen, wo das Nützliche und wo das Schädliche sich befindet. Sie sind mitunter in einem solchen Maß von ungeordneten Wünschen jeglicher Art erfüllt, dass sie ihr Tun nicht mehr von ihren Wünschen unterscheiden können. Der Denker wies die Schüler immer wieder an, die Truhe ihrer Wünsche in Ordnung zu halten.

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