Bruderschaft II, § 494

Urusvati weiß, dass die Menschen zurzeit einer Gefahr sogar äußerst rettende Ratschläge vergessen. Schon eingebildete Gefahr beraubt die Menschen zweckentsprechenden Denkens. Bei verschiedenen Völkern gibt es sehr lehrreiche Erzählungen, in denen ein Hausherr seine Nächsten lehrt, wie sie sich im Brandfalle zu verhalten hätten; wenn jedoch der Brandfall eintritt, handeln alle entgegengesetzt. In den Schulen Spartas gewöhnte man die Schüler an alle möglichen Gefahren, um dafür die Findigkeit zu entwickeln. Auch heute wäre es notwendig, so vorzugehen, da die Gefahren um ein Vielfaches zugenommen haben. Besonders befremdlich ist es jedoch, wenn Menschen Gefahren erfinden, die gar nicht existieren. Hierbei sind sie weniger um die weltweiten Gefahren bekümmert, sondern zittern vielmehr um ihr eigenes Dasein. Niemand kann es ihnen vermitteln, dass gerade die weltweiten Nöte ihren häuslichen Herd hinwegfegen werden. Und sie werden keineswegs zustimmen, dass die Gefahren für den Planeten weitaus größer sind als für ihr eigenes Haus. Selbst eine Erörterung der weltweiten Gefahren wird nicht gern gesehen, denn dafür sind irgendwelche diensthabenden Oberpriester da. Wenn jedoch die Epoche eintritt, in der allumfassende Zweckmäßigkeit verstanden wird, werden die Menschen die Ratschläge, wie den äußerst komplizierten Leiden zu begegnen ist, sammeln können. Auch wenn bereits in den Schulen auf mögliche Gefahren vorbereitet werden muss, so darf solches Wissen das Menschengeschlecht dennoch nicht der Lebensfreude berauben. Jedes vergangene Leben vermag davon zu erzählen, wie selbst in größter Gefahr Freude zu leben beginnt. Der Denker wusste, dass Freude in allen Gefahren geboren wird.

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