Bruderschaft II, § 492

Urusvati weiß, dass Ergebenheit nur von Wert ist, wenn sie in vollem Maße erwiesen wird, und zwar in solchem Maße, dass der Mensch sie nicht noch stärker zu bezeigen vermag. Dann wird ein mächtiger, wohltätiger Chemismus geschaffen, der über weite Entfernungen hinweg heilsame Wirkungen entfaltet. Jede Halbheit in der Hingabe jedoch muss in den Bereich der Hinterlist verwiesen werden. Der Mensch belügt sich selbst wie die anderen und schafft damit todbringende Gifte. Er müsste sagen: ‘Ich will mich hingeben, auch wenn es mir nicht von Vorteil ist.’ Doch um welche Missgestalt von Ergebenheit wird es sich handeln, wenn die Menschen ausrufen: ‘Wir wollen uns hingeben, es wird uns großen Vorteil einbringen!’ Niemand wird daran zweifeln, dass jede eigennützige Hingabe viele Bezeichnungen verdient. Unsere Bruderschaft ist auf gegenseitige Ergebenheit gegründet. Wir wissen, dass es keinerlei Umstände geben kann, die die Ergebenheit zu erschüttern vermögen. Man könnte sagen, dass sich solche Ergebenheit durch langwährende Zusammenarbeit einstellt. Richtig – doch in vielem arbeiten die Menschen zusammen, ohne dass Ergebenheit erstarken würde. So muss Hingabe von den kleinsten Anfängen an erprobt werden. Sie zeigt auf, wie behutsam man miteinander umgehen muss, ohne Komplikationen zu schaffen. Ergebenheit ist keine Knechtung. Sie ist das Lächeln gegenseitigen Verstehens und Mitgefühls. Denkt über dieses herrliche Wort nach. Es bringt auf einem Zusammenklang der Gefühle gegründete Harmonie zum Ausdruck. Jeder Mensch träumt von Mitgefühl, doch fordert er dies oftmals nur für sich, wobei er vergisst, dass gerade dieser Begriff Gegenseitigkeit voraussetzt. In diesem Missverständnis ist viel Unglück enthalten. Der Denker sprach: ‘Der Mensch fordert Mitgefühl, doch wo ist sein Beitrag? Er hält sich selbst für äußerst unglücklich; hat er jedoch das Unglück der anderen gemessen?’

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