Bruderschaft II, § 490

Urusvati weiß von dem Fehler zeitgenössischer Philosophen, die den Menschen der Verbindung mit dem Universum berauben. Ihr Mensch erscheint zwar als denkendes Wesen, doch ohne Vergangenheit und Zukunft dastehend, und damit entbehrt er der Verbindung mit dem Weltall. Ein solches Denken ist nicht in der Lage, eine Zukunftsprognose zu stellen, weshalb die zeitgenössische Philosophie dem Leben so sehr entfremdet ist. Man darf sich den Menschen nicht so vorstellen, als befände er sich in einer Wüste, wo er den Weg nicht kennt. Der Mensch versteht, dass ihm ähnliche Wesen existieren, von denen er nicht weiß, woher sie kommen und wohin sie sich aufmachen. Ist es da etwa möglich, das Denken auf eine begrenzte Existenz hin auszurichten? Eine solche Vorstellung wird, allem voran, langweilig sein. Es ist notwendig, eine solche Lehre, die sich als schädlicher denn der begrenzte Materialismus erweist, zu überprüfen. Aus dem letzteren lässt sich noch ein Fortschritt ableiten, doch der aus dem Gesamtzusammenhang herausgelöste Mensch vermag nicht den Weg der Evolution zu gehen. Es ist nicht erstaunlich, dass viele zeitgenössische Philosophen abseits des Lebens stehen. Doch sollten die Denker sich gerade den Problemen des Daseins, in denen der Mensch einen entsprechenden Platz einnimmt, zuwenden. Es ist nicht nützlich, einem gesunden Organismus Teile abzuschneiden. Erfreulich jedoch ist jedes auf die Einheit des Weltalls gerichtete Denken. Man kann bedauern, dass die Gelehrten angewandter Wissenschaften keine Verbindung zu den Denkern zu knüpfen vermögen. Erneut sehen Wir tote Begrenzungen und die Fehler des Hasses. Man wird einwenden, dass es bei der gegenwärtigen Entwicklung der Wissenschaften unmöglich sei, in allen Bereichen des Wissens bewandert zu sein. Es spricht auch niemand von Allwissen, doch Verehrung des Wissens ist möglich. Auf diese Weise können die Menschen sich von Verneinung befreien. In jedem Gegenstand befindet sich etwas, das Beachtung verdient. Ein echter Denker vermag diesen Funken der Wahrheit zu erkennen. Der echte Denker wird sich auch allen Stufen des Fortschritts gegenüber gerecht verhalten. Gewöhnlich wenden die Menschen sich vor allem den Endphasen von Entdeckungen zu und verwerfen achtlos alle vorangegangenen Aufspeicherungen. In solchem Verhalten kommt größte Ungerechtigkeit zum Ausdruck. Unter den Vorbereitungsprozessen befinden sich unzweifelhaft viele noch nicht abgeschlossene Entdeckungen. Verfolgt man deren Denkwege, wird man größte Schätze finden können. Die Menschen ziehen es jedoch vor, sich allem Vorbereitenden gegenüber leichtfertig zu verhalten, wodurch viele bereits tastend erkundete Errungenschaften verlorengehen. Auch in solchen Fällen ist jene Wissensverehrung anzuwenden, von der Wir gesprochen haben. Meine Worte dürfen nicht allein auf mechanische Entdeckungen bezogen werden, sondern müssen ebenso auf die Geisteswissenschaften angewandt werden. Die Hauptsache besteht darin, das Denken von Vorurteilen, die sehr verschiedenfarbig sein können, zu befreien. Der Denker sprach: ‘Seht nur diesen wichtigtuerischen Freidenker, wie er rasch auf die andere Straßenseite geht, nur um nicht inmitten von Arbeitern gesehen zu werden. Gerade erst hat er eine Rede über die Liebe zum Volk gehalten.’

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