Urusvati weiß, dass besondere Vorgehensweisen erforderlich sind, wenn man Begriffe des Guten einführen will. Für viele Begriffe könnte man ganze Schulfächer einrichten, doch wenn Gespräche über das Gute angekündigt würden, so würden die Schüler versuchen, ihnen zu entgehen. Man muss das Gute unbemerkt lehren, indem man es in alle Themen einflicht. Es könnte gesagt werden, dass der Begriff des Guten überhaupt nicht existiere, so dass für die einen eben das Gute da sei und für die anderen das Böse. So sprechen aber jene, die oberflächlich urteilen und nicht in die Tiefe der Dinge zu dringen vermögen. Unzweifelhaft kann jeder seine Zeichen auf oberflächliche Weise setzen, er wird dabei aber nicht die Tiefe berühren. Im Übrigen ist das Wesen des Guten unwandelbar. Das Herz wird jedoch aufzeigen, wo das Wesen des Guten liegt. Man kann sehen, dass sogar ein verbrecherischer Wille sich plötzlich verliert, wenn er unerwartet im Anblick des Guten steht. Die Menschen bezeichnen solche Wandlung als Wunder, doch liegt überhaupt kein Wunder darin, dass der Mensch die Saiten einer Vina streift und von ihrem Klang bezaubert ist. Jeder Mensch berührt unerwartet verschiedene Chemismen; die einen betäuben ihn, andere bringen eine Einsicht. So darf man nicht behaupten, dem Menschen sei etwas nicht erreichbar. Man kann sagen, dass er in einem gegebenen Moment bestimmtes Wissen nicht zu erfassen vermag, doch schon im folgenden Augenblick kann ein Chemismus des Guten zur Erkenntnis verhelfen. Feinfühlige Menschen wissen, wie schnell Chemismen wechseln. Chemische Wellen dauern keinen ganzen Tag an. Sogar innerhalb kurzer Intervalle lassen sich spürbare Wechsel wahrnehmen, nicht allein auf psychischer, sondern auch auf körperlicher Seite. So spürt der Mensch nicht selten rasche Wechsel von Hitze und Kälte. Er vermag einen Wechsel von Geruchswahrnehmungen zu bemerken, wie auch vorübergehende Schmerzen. Er kann eine Verzögerung oder eine Äußerung des Denkens wahrnehmen. Er kann auch Schwankungen seiner Wahrnehmungsfähigkeit feststellen. Chemische Wellen werden von vielen Erscheinungen der Freude und der Schwermut begleitet. Der Lehrer muss in der Lage sein, die Studierenden auf eine bewusste Wahrnehmung der vielen Erscheinungen im Laboratorium des Lebens vorzubereiten. Der Denker lehrte: ‘Wir müssen die beständige Gegenwart göttlicher Kräfte um uns herum wahrnehmen. Mitunter binden sie uns, verleihen nicht selten jedoch auch Flügel. Die Erhabenheit der Welt umgibt uns dicht mit herrlich schönen Hüllen.’