Bruderschaft II, § 486

Urusvati weiß, dass eine willkürliche Benennung die Richtung eines Gedanken stört und verzerrt. So habt ihr vom ‘elektrischen Baumeister’ gelesen, den ein Gelehrter im Menschen gefunden haben will. Der Begriff des Baumeisters wurde in einigen philosophischen Schulen verwendet und hat dort seine Bedeutung, doch darf man in seinem Zusammenhang unmöglich von Elektrizität sprechen. Die Menschen haben sich eines einzigen Aspektes der uranfänglichen Energie bemächtigt und benutzen das betreffende Wort ohne jegliche Befangenheit als endgültige Definition. Wenn die Gelehrten nichts von der uranfänglichen Energie wissen, so könnten sie von einer bestimmten, besonderen Energie sprechen, doch darf die erhabene Grundlage nicht mit dem Wort Elektrizität eingegrenzt werden. Es ist ein unerträglicher Zustand, dass der Gelehrte seine Aufmerksamkeit nicht auf die besondere Eigenschaft der festgestellten Energie gerichtet hat. Allzu primitiv ist es, ihre Erscheinung auf elektrische Eigenschaften zurückzuführen. Die gemachte Beobachtung selbst ist lobenswert, doch die Bezeichnung wird zu neuen Irrtümern führen. Man kann sich vorstellen, weshalb ängstliche Forscher sich hinter gewohnten materialistischen Begriffen zu verbergen suchen. Sie möchten sich damit vor unwissenden Beschuldigungen schützen, ziehen gerade dadurch aber die Verurteilung künftiger Generationen auf sich. Mögen sie abwägen, was mehr Achtung gebietet – den Spott Unwissender über sich ergehen zu lassen oder sich den Verurteilungen künftiger Generationen auszusetzen. Vergessen wir nicht, dass sich ähnliche Vorgänge auf allen Lebensgebieten vollziehen. Die Menschen suchen vereinigende Begriffe herabzusetzen und sie gegen erdachte Definitionen auszutauschen, die keinerlei innere Bedeutung haben. Man muss diesen Prozess aufmerksam verfolgen; ihm zugrunde liegt die Feigheit. Wird der Mensch etwa darin fortfahren, die Einheit des Weltalls in Splitter zu zerschlagen? Natürlich kann man einzelne Grashalme untersuchen, doch ohne zu vergessen, welch großem Organismus sie angehören. Man darf nicht Einzelerscheinungen studieren und dabei außeracht lassen, dass sie nur Glieder einer einzigen Kette sind. Wer der Synthese entbehrt, möge das Leben des Weltalls gar nicht erst antasten. Der Denker lehrte über die Schönheit der Einheit, aus der Ströme von Energie fließen.

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