Bruderschaft II, § 485

Urusvati weiß, dass es den Menschen besonders schwerfällt, die Begriffe des freien Willens und der Führung miteinander zu vereinen. Die einen schreien von der Beseitigung des Führers, die anderen gegen den freien Willen. Doch das Leben selbst beweist, dass allein das Gleichgewicht einen Fortschritt zeitigt. Inmitten des gewöhnlichen Lebens lässt sich sehen, wie harmonisch beide Begriffe miteinander leben können. Der Lehrer setzt eine Aufgabe und fügt hinzu: ‘Wende dein Können an, um die bestmögliche Lösung zu erreichen.’ Diese einfache Erklärung beantwortet die Frage vollkommen, wie friedlich und erfolgreich die beiden Begriffe miteinander auskommen können. Die Führung entwickelt den freien Willen nur, und diesem wird im Laufe seiner Entwicklung die Zweckmäßigkeit der Führung bewusst. Dieser Frage muss sich jeder wiederholt zuwenden. Die Menschen haben sich gewissermaßen in zwei unversöhnliche Lager geteilt. Die leidenschaftlichen Verfechter des freien Willens bezeichnen die Anhänger eines Lehrers als rückschrittlich, und die einer Führung Folgenden heißen die Liebhaber des freien Willens Zerstörer. Solcherart ist der Streit, der die Menschen nur der besten Möglichkeiten beraubt. Man muss Umstände suchen, die es erlauben, die Extreme mit einem gemeinsamen Dach zu überspannen. Es ist leicht, sich das Leben in der Unbegrenztheit vorzustellen. Unter diesem Dach sind viele Begriffe miteinander vereinbar. Man wird Maßstäbe finden, die die Nichtigkeit eigenwilliger Teilungen zeigen. Ein echter Lehrer muss den freien Willen anspornen, und der einsichtsvolle Schüler möge, gerade in der Anspannung seines freien Willens, die Bedeutung des Lehrers schätzen. Ihr werdet bemerken, wie oft Wir zur vergleichenden Gegenüberstellung von Lehrertum und freiem Willen zurückkehren. Die Menschen bedürfen jedoch des Ausgleichs dieser untrennbaren Begriffe in besonderem Maße. Die möglichst beste Gestaltung der Zukunft hängt von einer Harmonie der Gegensätze ab. Wer aber diese rettende Grundbedingung nicht einsehen will, wird viel Leid auf sich nehmen müssen. Dem Lehrer ist es nicht möglich, den Eigensinn des Schülers umzuwandeln, wenn dieser keinen guten Willen zeigt. Denn der gute Wille ist auch ein freier Wille. Der Denker wies darauf hin, dass das Gute, die Freiheit und die Schönheit unter einem gemeinsamen Dach leben.

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