Bruderschaft II, § 472

Urusvati weiß, dass der Mensch mitunter nicht die Grenze zwischen dem persönlichen und dem Gemeinwohl erkennen kann. Der Verstand flüstert, dass das Persönliche dem Gemeinsinn entgegengesetzt sei, doch das Herz sagt etwas anderes. Bei Disharmonie kann es einen Widerspruch zwischen dem Persönlichen und dem Gemeinsinn geben, doch ist vorstellbar, wann das Persönliche auch dem Gemeinsinn entspricht. Solche Harmonie erfordert auch den Zusammenklang aller umgebenden Bedingungen. Irgendjemand wird sagen, dass solcher Zustand im irdischen Leben unerreichbar sei. Kann man jedoch ermessen, was möglich ist und was nicht? Solch eigenwillige Trennung wird nur einem kurzen, vorbeifließenden Augenblick entsprechen, nicht jedoch für die Zukunft anwendbar sein. Im Verlauf eines einzigen menschlichen Lebens lässt sich beobachten, wie plötzlich die Daseinsbedingungen sich ändern können. Was soll man da von Jahrhunderten sagen? Natürlich werden die Liebhaber der Widerrede finden, dass sich der menschliche Charakter in vielerlei Hinsicht wenig ändere. Beobachter mit mehr Forscherdrang werden jedoch erkennen, wie sehr die Psychologie des Menschen sich verändert, und in solcher Beweglichkeit ist das Unterpfand künftiger Erfolge verborgen. Die Menschen werden irgendwann zu der Schlussfolgerung gelangen, dass das Wohl ein geeintes ist und es keine Trennung in persönliches und in Gemeinwohl geben kann. Viel Zweifel ruft auch die sogenannte Zementierung des Raumes hervor. Die Menschen stellen sich vor, dass persönliche Gedanken Selbstsucht seien. Können jedoch gute Gedanken in einer finsteren Entladung von Selbstsucht enthalten sein? Wenn natürlich ein Mensch um etwas für die Menschheit Verderbenbringendes beten würde, so wäre solches Beten eine Verschmutzung des Raumes. Doch jeder Gedanke des Guten ist sowohl ein dem persönlichen wie dem Gemeinsinn entsprechender. Mit solchen Gedanken muss man den Raum auszementieren. Der Denker sprach: ‘Möge jeder einen sowohl für ihn selbst wie auch für die Menschheit nützlichen Gedanken finden. Dann nämlich wird sein Ich dem Herzen der Menschheit gleich.’

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