Bruderschaft II, § 466

Urusvati weiß, wie oft selbst die einfachsten Unserer Weisungen entstellt werden. So haben Wir davon gesprochen, dass es notwendig ist, die Rüstung behutsam und sorgfältig zu prüfen und im Falle der Not fürsorglich zu helfen. Man sollte meinen, dass es sich um einen ganz klar verständlichen Rat handelte, doch die Menschen leiten eine Verurteilung des Nächsten daraus ab. Wo aber sich der Wurm der Verurteilung eingenistet hat, ist keine Ernte zu erwarten. Untersuchen wir zunächst den Unterschied zwischen der Verurteilung und einem gerechten Urteil. Jeder wird verstehen, dass es solche Verbrechen geben kann, die ein strenges Gerichtsurteil unausweichlich machen, doch unter der alltäglichen Verurteilung ist ein oberflächlicher und schädlicher Begriff zu verstehen. Nicht selten versuchen Menschen mit der Verurteilung eines anderen, diesen zu veranlassen, ihren Wünschen gemäß zu handeln. Sie wollen nicht verstehen, dass jeder Vogel sein eigenes Lied hat. Man kann den Vogel töten, ihn jedoch nicht zwingen, ihm fremde Klänge hervorzubringen. Es ist sehr betrüblich, sehen zu müssen, wenn Menschen jemandem einen fremden Willen aufzwingen, doch noch trauriger ist es, wenn solche Gewaltanwendungen sich im Umkreis einer Lehre des Guten ereignen. Als Wir von einer fürsorglichen Haltung gegenüber der Rüstung des Nächsten sprachen, hatten Wir gerade eine äußerst sanfte Berührung im Sinn, nicht aber geschwätzige Verurteilung. Es ist an der Zeit, sich die Vorstellung zu eigen zu machen, dass die Atmosphäre unmöglich mit nichtdurchdachten Verurteilungen verseucht werden darf. Ganz nah bei diesen steht auch die Verleumdung. Jeder widernatürliche Zwang wird auch in der Verbindung zu Uns ein Hindernis sein. Wir sprachen von überirdischen Gefühlen und wissen, wie fein sie sind und ferne Übertragungen unterstützen. Ist in solch feinstofflicher Wohnstatt Grobheit zulässig?! Möge auf der von Herzen kommenden Freundlichkeit gegenseitige Hilfe aufgebaut werden. Wenn die Menschen die Kraft der von Herzen kommenden Freundlichkeit verstehen, werden sie einen weiteren Weg zu Uns kennen. Der Denker vermochte Freundlichkeit von Verschlagenheit zu unterscheiden.

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