Bruderschaft II, § 412

Urusvati weiß, dass schlimmer als Krieg, Seuchen und Erdbeben, schlimmer als alle Nöte die Zersetzung des Bewusstseins ist! Sie kommt schleichend und unmerklich, bringt jedoch solche Taten hervor, dass sich die zukünftige Geschichte darüber entsetzen wird. Die Menschen verlieren dabei die Zeichen ihrer Würde. Sie werden nicht nur immer böser, sondern vergessen auch, wie sich daraus die künftige Generation gestalten soll. Schriftsteller verfertigen die widerwärtigsten Bilder und Vorstellungen, und Armseligkeit wird als Richter auftreten. Erinnert euch, was in den Puranas des Vishnu gesagt wurde. In diesen Hinweisen kann man die gegenwärtigen Tage wiedererkennen. Es könnte darauf verwiesen werden, dass die beschriebene grauenvolle Zeit übertrieben dargestellt wäre, doch wenn ihr auf das gegenwärtige Geschehen blickt, werdet ihr zustimmen, dass die alten Vorhersagen sogar untertrieben waren. So wollen die Menschen, die eine völlige Verwirrung offenbaren, natürlich die alten Warnungen nicht lesen. Es ist besonders entsetzlich, dass die Mehrheit auch bei dem jetzigen Zustand nicht verstehen will, was sich vollzieht. Sie tanzen, treiben Handel und meinen sogar, dass gerade jetzt die Blütezeit ihrer Errungenschaften angebrochen sei. Vergleicht das gegenwärtige Geschehen mit gewissen Epochen des Niedergangs; werdet ihr etwa keine gemeinsamen Zeichen entdecken? Genauso wie heute träumten die Menschen von verschiedenen Formen der Versklavung und hielten sich für die berechtigten Eroberer der Welt, und wie unerwartet stürzten diese babylonischen Türme in sich zusammen! Der Menschheit sind viele Symbole übergeben worden, die jedoch wie faulende Leichname liegengelassen werden. Der Denker sah dieses Elend voraus. Er sprach: ‘Zählt nicht die Tage, bis man euch für all eure Arglist zur Verantwortung ziehen wird. Besser ist es, ihr reinigt euch schon heute.’

‹ § 411 · Inhaltsverzeichnis · § 413 ›