Urusvati weiß, dass Ungeduld eine Eigenschaft der Unvollkommenheit ist. Gewöhnlich tritt sie mit verschiedenen anderen Eigenschaften verbunden auf. So möchte mancher sie mit Bestrebung vergleichen, die jedoch von ihrem Wesen her etwas völlig anderes ist. Beständige Bestrebung ist harmonisch und schafft einen schönen Rhythmus. Ungeduld dagegen ist disharmonisch, und indem sie über plötzliche Ausbrüche tätig wird, stört sie den Rhythmus. Überdies beweist Ungeduld die Unkenntnis grundlegender Gesetze – die Seinssubstanz befindet sich in unaufhörlicher Bewegung. Allein beständige, innige Wachsamkeit vermag die Kraft der Energie zu offenbaren. So sucht das Gleichgewicht zwischen Tätigkeit und Geduld, dessen Rhythmus ihr ohne wahre Zusammenarbeit allerdings nicht finden werdet. Der unausgeglichene Mensch wird sagen: ‘Ich kann nicht warten!’ Und in diesem einen Wort bekundet er seine Kraftlosigkeit. Kraftlosigkeit ist zwar nicht Willenlosigkeit, aber der menschliche Wille wird durch Anstrengung entwickelt. Betrachten wir also die genannten Begriffe und gelangen zu der Schlussfolgerung, dass sie alle in der Macht des Menschen liegen. Jemand wird ausrufen: Ich bin von Natur aus ungeduldig! Möge er jedoch richtiger sagen: Meine Gewohnheiten haben mich bis zur Willenlosigkeit geführt. Nehmen wir auch noch das andere Extrem – manche fassen Geduld als Untätigkeit auf und schaffen in diesem Irrtum neue Leiden. Wahrhaftig, es ist möglich, dass sich innigste Geduld mit angespannter Tätigkeit verbindet. Wenn die Menschen die Bewegung der Seinssubstanz nicht erkennen können, so vermögen sie dennoch in den Grenzen ihres Arbeitsbereiches, in dem sie Fertigkeiten besitzen, Ausgezeichnetes zu leisten. Die Alten sagten: ‘Lasst uns in Arbeit warten.’ Jede meisterhaft ausgeführte Arbeit bedeutet bestes Schmieden der Geduld, und dieser Umstand liegt vollständig in der Macht des Menschen. Mögen Unsere Arbeiten als Beispiel tätiger Geduld dienen. Geduld führt auch zur Klarheit und Prägnanz der Arbeit. Bei hoher Qualität der Arbeit werden wir auch die Bedeutung der Harmonie verstehen. Der Denker sprach: ‘Ich möchte, dass in jeder Arbeit die Saiten des Raumes erklingen. Erhabene Musik ist die Tätigkeit der uns beschützenden Musen.’