Bruderschaft II, § 363

Urusvati weiß, dass eine der lichtvollsten Freuden bei der Arbeit entsteht. Man sollte meinen, dass diese Wahrheit allen bekannt wäre, doch wird die Arbeit erneut als Joch verstanden, und die Menschen träumen von irgendwelchen Feiertagen. Jedoch müssen Wir Unsere Begriffe von Arbeit mitteilen. Wir arbeiten die gesamte Zeit inmitten anstrengendster Bedingungen, doch auch Wir haben Feiertage. Diese bestehen darin, dass Wir zu gegebener Zeit zu den höheren Sphären streben. Irgendjemand möchte auch diese Erforschung als Arbeit bezeichnen. Er hat Recht, da die Erforschung der höheren Sphären viel Energie erfordert. Man muss alle Gedanken konzentrieren, und überdies sind die Apparate nicht leicht zu steuern. Kürzlich erfuhr Urusvati eine starke Erschütterung, als ein Hebel in ihrer Hand zerbrach. Solche unerwarteten Verkomplizierungen können immer auftreten. Doch besteht ein großer Unterschied, ob ein Hebel bei Routinearbeit zerbricht oder bei der Berührung von komplizierten Apparaten. Ungeachtet der möglicherweise auftretenden Erschwernisse ist die zu den höheren Sphären bestrebte Arbeit jedoch ein Feiertag. So lässt sich auch unter den irdischen Arbeiten solche Arbeit finden, die einen Feiertag ausmacht. Möge sich jeder Rechenschaft darüber ablegen, welche Arbeit ihm einen Feiertag bereitet. Möge sich jeder daraufhin prüfen, welche Arbeit seine Kräfte vermehrt. Erholung besteht im Wechsel der Arbeit. Ja, ja, ja, die Menschen werden es noch lange nicht verstehen, dass Erholung im Wechsel der Arbeit liegen kann. Ebensowenig wird man sich allgemein die Tatsache so bald zueigen machen, dass Denken Arbeit ist. Niemand erkennt, dass ein Denker inmitten seines Denkens Wirkliches schafft. Die Menschen verstehen nicht, dass Routinearbeit mit Denken abwechseln kann. Wer stellt sich denn die ganze Wirkung der Gedanken vor, die die räumlichen Feuer entzündet und ganze Gedankengebäude in der Feinstofflichen Welt schafft? Sogar jene, die vom Einfluss des Denkens schreiben, wollen nicht die gesamte unvermeidliche und nicht wiedergutzumachende Wirkung ihrer eigenen Gedanken verstehen. Der Mensch besitzt eine absonderliche Eigenschaft: Er ist bereit, die Wirkung fremder Gedanken anzuerkennen, vergisst jedoch vollständig das Schicksal seiner eigenen; auf diese Weise verhält sich der Mensch fahrlässig gegenüber sich selbst. Ich meine, dass es an der Zeit ist, anstelle von Vorträgen ein strenges Regime gegenüber sich selbst zu führen. Warum wenden sich die existierenden Institutionen psychischer Erforschung in der Mehrzahl einer einzigen Ebene zu? Die Teilnehmer selbst verhindern weitergehende Erscheinungen. Es ist nicht von Nutzen, wenn die Forscher selbst nicht einmal in der Lage sind, vor allem die Reinheit ihrer eigenen Absichten zu prüfen. Der Denker sorgte sich sehr um die Reinheit der Absichten Seiner Schüler. Er sprach: ‘Wenn sogar bei den üblichen Waschungen kostbare Substanzen verwendet werden, womit sollen wir dann unsere Absichten reinigen?’

‹ § 362 · Inhaltsverzeichnis · § 364 ›