Bruderschaft II, § 361

Urusvati weiß, dass mit jeder Generation Weltanschauung, Bräuche und sogar Sprache sich verändern. Gewöhnlich wollen die Menschen solche Wandlungsvorgänge nicht bemerken. Es ist unzweifelhaft nicht leicht, neue Grenzen solcher Art zu unterscheiden, wenn man sich in ihrer Nähe befindet, doch aus der Entfernung kann jedes scharfsichtige Auge erkennen, in welcher Bewegung die Lebenssubstanz begriffen ist. Im Altertum herrschte der Brauch, Prüflinge in der Weise auszusenden, dass sie an den Ausgangsort des erst zurzeit der nächsten Generation zurückzukehren hatten. Wir halten an demselben Brauch fest, und Unsere Gesandten kehren zur nächsten Generation zurück, da man erst dann die Fortentwicklung des Volkes einschätzen kann. Viele werden allein die Möglichkeit solcher Fortentwicklungen bestreiten. In der Kraft ihrer Unbeweglichkeit sind sie unbeugsam. Mögen sie jedoch nicht vergessen, dass die Fortbewegung der Evolution sich auf jeden Fall vollziehen wird. Nur, die Menschen sehen meist alles vom eigenen Standpunkt aus und sind nicht in der Lage, sich selbst fortzubewegen. Sie gehen davon aus, dass mit ihnen alles enden würde und können es nicht fassen, dass das Leben seine eigene, unaufhörliche Wellenbewegung hat. Solche unbeweglichen Menschen befinden sich in einer äußerst kläglichen Lage, wenn sie in die Feinstoffliche Welt eintreten. Sie bedauern es dann, sich während ihrer irdischen Existenz nicht den verschiedenen Generationen genähert und keine Berührungspunkte mit deren unterschiedlichen psychischen Zuständen gefunden zu haben. Man kann sagen, dass die Prüflinge verschiedener Generationen im Altertum weiser gehandelt haben. Auch ihr könnt zu Hause inmitten verschiedenartigster Menschen sein. Erinnert euch, dass auch Wir solche Prüfungen durchschritten haben. Der Denker verglich solche Prüfungen mit dem Härten einer Klinge. Er wusste, dass nur der Wechsel von Kälte und Hitze unerschütterliche Beständigkeit ergebe.

‹ § 360 · Inhaltsverzeichnis · § 362 ›