Bruderschaft II, § 353

Urusvati weiß, dass der Schlafende einen Zwischenzustand durchschreiten muss, in dem er zwei Welten angehört. Einige bemerken diesen Zustand nicht, andere aber halten die Funken feinstofflicher Wahrnehmung fest. Als die Alten dem Menschen anrieten, sich selbst zu erkennen, hatten sie vor allem die Entwicklung der Beobachtungsfähigkeit im Sinne. Solch ein Prozess beinhaltet nichts Geheimnisvolles: Der Mensch muss sich selbst und seiner Umwelt gegenüber aufmerksam werden. Mögen die Menschen sich erinnern, dass sie für ihre sämtlichen Äußerungen jeglicher Art verantwortlich sind. Man muss sich wundern, wenn der Zustand zwischen Schlaf- und Wachzustand unbemerkt verläuft. Die Menschen lesen von besonderen Eigenschaften des Halbschlafes. Eingeweihte des Altertums wussten, wie scharfsichtig der Mensch im Verlauf dieses Zustandes wird. Doch daher bewahrten auch nur die Eingeweihten die Erinnerung an den bemerkenswerten Zustand. Dem Volk, mit Arbeit nach außen hin beschäftigt, gelang es nicht, solchen Beobachtungen Aufmerksamkeit zu widmen. Nun jedoch rufen Wir erneut dazu auf, dass die Menschen auch während der Arbeit die Eigenschaften der menschlichen Natur beobachten sollten. Man muss lernen, eine natürliche Arbeit aufrechtzuerhalten und zur gleichen Zeit feinstoffliche Wahrnehmungen verfolgen zu können. In einer solchen Verbindung werden die Menschen sich einer Umgestaltung des Lebens nähern. Man darf nicht meinen, dass Eingeweihte ohne Verbindung zum äußeren Leben sein müssten. In Lebensbeschreibungen kann man sich davon überzeugen, dass große Tatmenschen sich von den unterschiedlichen Erscheinungen im Leben nicht entfremdeten. So sollte auch jetzt die Arbeit den Menschen nicht daran hindern, sich in Selbsterkenntnis zu vertiefen. Das neue Leben fordert auch die Zusammenarbeit der zwei Welten. Der Denker sprach: ‘Freund, wenn du dich in den Schlaf begibst und wenn du zur Arbeit erwachst – sprich ein heilsames Wort des Wohles aus, es wird dir die Tore beider Welten öffnen.’

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