Bruderschaft II, § 340

Urusvati weiß, dass der menschliche Organismus unter natürlichen Bedingungen sehr wohl selbst in der Lage ist, mit Krankheiten zu kämpfen. Dies bedeutet, dass es nötig ist zu wissen, welcher Art der Organismus und wie die Bedingungen sein müssen. Der Mensch muss nach Möglichkeit danach trachten, die physisch vererbbare Konstitution weniger zu belasten und sie zu bessern. Dafür muss die Regierung Maßnahmen ergreifen, und zurzeit beginnt man bereits, darüber nachzudenken. Doch weniger Gedanken macht man sich über die natürlichen Lebensbedingungen. Die Bemühungen in dieser Hinsicht laufen auf primitive hygienische Maßnahmen hinaus, doch die wesentlichste Lebensgrundlage wird unbeachtet gelassen. Es ist unmöglich, die Gesundheit aufzubauen, ohne ihren psychischen Aspekt zu beachten. Ein Beispiel: Menschen gehen in ein Sanatorium, um ihre Gesundheit wiederherzustellen und geraten dort in eine zufällige Gesellschaft lauter Kranker. Es ist unmöglich vorstellbar, eine solche Umgebung könnte die psychische Seite des Organismus gesund werden lassen. Im Gegenteil, die Ansammlung von Kranken, deren Aufmerksamkeit auf ihre Krankheit konzentriert ist, kann eine krankhafte Ängstlichkeit nur noch verstärken und sogar eine Verschlimmerung auslösen. Man muss sich des Altertums erinnern, da Kranke in die Einsamkeit hinausgingen und Umgang nur mit der Natur pflegten. Dabei taten sie dies nicht nur im Falle ansteckender Erkrankungen, sondern auch, wenn der Organismus einer Erneuerung bedurfte. Nicht zufällig bauen sich gewisse Menschen transportable Häuser oder ziehen es vor, in Zelten zu wohnen. Gewiss, eine Ansammlung vieler Zelte führt natürlich wieder zu städtischen Bedingungen. Auf der anderen Seite beginnen die Menschen jedoch, von Einsamkeit zu träumen, und darin kommt der Instinkt von Selbsterhaltung und Gesundung zum Ausdruck. Wir senden Gedanken zur Gesundung aus, doch zu einer richtig verstandenen natürlich. Besonders jetzt muss über Gesundung nachgedacht werden. Die Menschen wissen, dass die Zerstörung des Nervensystems den äußersten Grad erreicht hat. Sie verstehen, dass es unmöglich ist, sich auf einem Weg der Verwesung fortzubewegen. Doch nur wenige vermögen es, über die Bedeutung der Gesundheit in ihrem ganzen Sinn nachzudenken. Nicht eine Psychologie kalter Erörterungen ist erforderlich, sondern erleuchtetes Bestreben zur Gesundung. Es sind Fälle bekannt, da Stadtbewohner sich als einfache Arbeiter verdingten, um aus der Routine des Stadtlebens herauszukommen. Der Entschluss ist lobenswert, wenn es gelingt, großen Menschenansammlungen bei der Arbeit zu entgehen. Erinnern wir uns verschiedener Bemühungen, bei denen Menschen die Notwendigkeit spürten, die ungesunden Lebensbedingungen zu verändern. Das Streben zur Natur muss mit psychischem Entflammen gepaart sein, da der Suchende anderenfalls beim ersten Regenguss zu weinen anfängt. Es wird eine Zeit kommen, da die Ärzte verstehen werden, dass der Organismus fähig ist, selbst gegen die Krankheiten zu kämpfen. Der Denker sprach: ‘Sogar ein Hund duldet es nicht, dass man ihn in der Zeit einer Erkrankung stört. Ist der Mensch etwa schlechter als ein Hund?’

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