Bruderschaft II, § 338

Urusvati weiß, wie reichlich der Mensch mit mächtigen Substanzen ausgestattet ist. Das chemische Laboratorium im Menschen ist eine außergewöhnliche Erscheinung. Wahrlich, man kann sagen: Nirgends können so viele Kräfte konzentriert werden wie im menschlichen Organismus. Nicht aufgrund eines Zufalls existierte früher die Theorie, dass der Mensch sich von allen Krankheiten mittels seiner Absonderungen heilen könne. Vergessen wir auch nicht, dass der menschliche Chemismus sich als überaus fein erweist, da er sich unter dem Einfluss der psychischen Energie vollzieht, die sich ihrerseits in beständiger Verbindung mit den räumlichen Strömen erneuern kann. Stark ist das menschliche Gift – und heilsam die psychische Energie. Wenn Ich über die notwendige Ausgeglichenheit der psychischen und körperlichen Wechselbeziehungen spreche, gebe Ich diesbezüglichen Rat nicht allein als Humanist, sondern auch als Arzt. So rate Ich beispielsweise dazu, die Milz in reinem, gesundem Zustand zu halten und weise in diesem Zusammenhang darauf hin, mit aller Kraft eine feierliche Geistesverfassung zu wahren. Es scheint vielleicht unverständlich zu sein, was die Milz und eine feierliche Geistesverfassung gemeinsam haben. Doch die Milz ist ein Organ der Harmonie, des Ausgleichs, und daher ist es notwendig, sie mit einer hochstehenden Geistesverfassung in reinem, gesundem Zustand zu halten. Die Menschen meinen, psychische Einwirkungen seien nur für das Nervensystem notwendig. Keineswegs, denn solche Einflussnahmen sind für viele Organe nötig. Das Beispiel der Milz ist hierbei besonders charakteristisch. Ich führe gerade die Milz an, da man sich an dieses Organ im Alltag weniger als an die anderen erinnert, obwohl gerade sie besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Wir sind überaus bekümmert, wenn Wir sehen müssen, dass Harmonie verletzt wird. Stellt euch vor, dass ein Einfluss auf eine bestimmte Anzahl Menschen stattfindet, doch dann ein oder mehrere Teilnehmer aus der Gesamtheit herausfallen. Man kann sich vorstellen, welche Perturbationen sich in den Strömen vollziehen werden und wieviele Gefahren entstehen können! Es kommt auch vor, dass ein Kranker anstelle der ihm zugeteilten Dosis eines Medikaments eine für viele Male bestimmte Portion zu sich nimmt, mit den entsprechend möglichen entsetzlichen Folgen. So lassen sich viele Beispiele aus dem ärztlichen Bereich anführen. Sie erinnern daran, dass die Einheit der psychischen und chemischen Einwirkungen unauflösbar ist. Der Denker sprach: ‘Ich vermag der Masse nicht ihre gesamte Last abzunehmen.’

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