Urusvati weiß, in welch weitem Maße die Grundlagen der ethischen Lehren aller Jahrhunderte identisch sind. Es kann nicht anders sein, da das Gesetz einheitlich ist. Es mag Unterschiede der Lebensweisen im Detail und der Sprachen geben, doch die Grundlagen sind unzerstörbar. Ebenso muss man verstehen, dass Wir von wirklichen Grundlagen sprechen, nicht aber von vorgetäuschten. Ein Beispiel: Wir haben darauf hingewiesen, dass es Zeiten geben kann, die schlimmer als Krieg sind; der Zustand vorgetäuschten Friedens ist eine solche Zeit. Man kann beobachten, welcher moralische Zerfall durch vorgetäuschte Begriffe herbeigeführt wird; massenhafte Lüge entsteht. Die Menschen meinen, die Lüge sei Lebensgrundlage, Evolution kann sich jedoch nicht auf dem Boden der Lüge vollziehen. Solche Lüge darf nicht mit Maja verwechselt werden. Die letztere drückt die Relativität von Vorstellungen aus, Vortäuschung aber ist eine Erscheinung von Entstellung. Wenn die Menschen von Hass erfüllt, jedoch überzeugt sind, in Frieden zu leben, bleiben sie Lügner. Es ist nicht leicht, sich von solcher Lüge reinzuwaschen. Sie setzt sich auch in der Feinstofflichen Welt fort. Mögen die Menschen darüber nachdenken, ob sie das Recht besitzen, die Feinstofflichen Welten zu verschmutzen. Doch der Mensch denkt nicht über seine Verantwortung vor dem Weltall nach. In den Schulen wird die Fortdauer der Lebenskette nicht gelehrt. Es gibt kein Schulfach, das dazu beitrüge, die Erhabenheit des menschlichen Lebens darzulegen. Es gibt keine Lehrer, die die Gefahren vorgetäuschter Begriffe aufzeigten. Alle Lehren jedoch bestätigen die Wirklichkeit des Friedens. Es ist unfassbar, dass die Menschen nicht zur Wirklichkeit streben. Sie lieben die Lüge, da sie die eiternden Geschwüre überdeckt. Die Menschen wollen nicht verstehen, dass die von ihnen selbst geschaffene Lüge auch bei ihnen verbleibt. Wenn man über vorgetäuschte Begriffe spricht, darf man sie nicht nur irgendwelchen außerordentlichen Ereignissen zuschreiben. Man muss verstehen, dass die Menschen das ganze Leben über von kleinen und dennoch charakteristischen Vortäuschungen erfüllt sind. Wieviel vorgetäuschte Tapferkeit, wieviel vorgetäuschte Hingabe, wieviel vorgetäuschte Arbeitsliebe wird auf der ganzen Welt bezeigt! Tapferkeit und Furchtlosigkeit vermögen gewiss vor allen bösen Angriffen zu schützen, doch muss die Tapferkeit wirklich und wahrhaftig sein. Sehr fein ist die Grenze zwischen wahrhaftig und vorgetäuscht. Allein aus der Entfernung ist man in der Lage zu sehen, wo der Funke verlief, der beides voneinander trennt. So muss daran erinnert werden, dass allein das Wahrhaftige auch entsprechende Folgen zeitigt. Der Denker wies darauf hin, dass die Schüler sich in der Furchtlosigkeit erproben müssten. Wenn der Lehrer bemerkte, dass ein Schüler sich vor irgendetwas fürchtete, konfrontierte Er ihn unverzüglich mit dem gefürchteten Objekt. Die gleiche Übung wurde auch in den Schulen Spartas angewandt. Um sich des Erfolges zu vergewissern, beobachtete man den Augenausdruck. So verfolgen auch Wir die wahren Bewegungen des Geistes. Wir freuen Uns, wenn Wir wahre Tapferkeit sehen können. Die von den Vogelscheuchen des irdischen Lebens verursachten Einschüchterungen beweisen nur die allgemein mangelnde Vorbereitung auf die Feinstoffliche Welt, so dass die furchterregenden Grimassen auch dort zu sehen sind. Der Tapfere jedoch bemerkt sie nicht, allein Angst erzeugt Gespenster. So lehrten die Pythagoreer.