Bruderschaft II, § 288

Urusvati weiß, dass eine Vielzahl kleiner Stichwunden gefährlicher sein kann als eine einzige große Bisswunde. Bei der gegenwärtigen Lage der Dinge in der Welt muss man diese Wahrheit klar erkennen. Die Menschen erwarten nichts weniger als einen Zusammenstoß mit einem Kometen, ohne aber die vielen tagtäglichen Gefahren zu bemerken. Es ist notwendig, unter allen möglichen Symbolen daran zu erinnern, dass die hauptsächliche Zersetzung von den Menschen selbst herrührt. Es ist unmöglich, sie davon zu überzeugen, sich wenigstens zeitweise nicht zu streiten. Nicht im Namen höherer Philosophie, sondern aus Anlass physischer Errettung rufen Wir zur Vorsicht auf. Man darf nicht in der Weise denken, dass es ja auch im Altertum Perioden der Zwietracht gegeben hätte. Sie sind nicht mit der sich jetzt vollziehenden weltweiten Zwietracht zu vergleichen. Damals nahmen Zehntausende teil, jetzt aber Hunderte von Millionen! Stellt euch den Unterschied in der Kraft der Emanationen vor. Jeder ist von unsichtbaren Kampfteilnehmern umgeben, und von diesen gibt es jetzt Myriaden. Versuchen wir nicht, diese zur irdischen Sphäre gezogenen Massen zu berechnen, sondern denken wir darüber nach, wie viele unsichtbare Stichwunden sie verursachen. Man muss verstehen, dass die Kämpfer für das Gute die finsteren Legionen nicht immer sofort vernichten können. Es müssen viele, irdische wie überirdische, Bedingungen beachtet werden. Wundert euch nicht, dass die Zusammenarbeit der Menschen daher eine solche kosmische Bedeutung trägt. Das Antlitz des Menschen wird durch die Menschheit geschaffen, doch wenn die Menschheit eine einzige Grimasse zeigt, welches Antlitz des Menschen kann sich denn daraus ergeben! Besonders abscheulich ist jene Grimasse der Menschheit, die durch die vielen ausgesandten kleinen Stichwunden gebildet wird. Bei grundlegenden Erschütterungen können sich Gefühle von Selbstaufopferung oder Heldentum offenbaren, doch bei Verwesung erfolgt ein nutzloser Abfluss von Kräften. Ich bestätige, dass der schlimmste Abschnitt des Harmagedon in der Zersetzung der Organismen besteht. Bei starken Zusammenstößen kann auch die Führung verstärkt werden, was aber sollte sie bei einem zunehmenden Gewebebrand tun? So fördern die Menschen die Zersetzung des Planeten selbst. Sie ziehen halbe, ja genauer, Viertelmaßnahmen vor, um die inzwischen entstandene Lage nur nicht zu verändern. Mögen sie sich aber davon überzeugen, dass der von ihnen geschaffene Zustand Verwesung ist. Man darf die Kräfte der Finsternis nicht vollständig beschreiben, da sie sonst noch als Giganten erscheinen würden. Ist es nicht besser zu überprüfen, was die Menschheit gerade verneint und was ihr besonders liebenswert erscheint? Unterteilen wir anhand dieses Maßstabes in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Körperkultur und wundern uns, wie sehr die Unterteilung die Krankheit der Menschheit zeigt. Betrachten wir aufmerksam jede Verneinung und überzeugen uns davon, dass schändlichste Ursachen die abscheulichsten Abschweifungen schaffen. Es ist unmöglich, sich den von der Finsternis verursachten Kampf um das Licht vorzustellen. Der Denker begriff schon vor langem die Schönheit als Wohl.

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