Urusvati weiß, wie unterschiedlich das Dienen verstanden wird. Für die einen ist es ein Rettungsring, für die anderen ein Mühlstein am Hals. Die einen verstehen die volle Bedeutung des Dienens für das Leben, für die anderen stellt es abstrakte Nebelhaftigkeit dar. Zwischen diesen Extremen existiert eine Vielzahl verschiedener Annäherungsgrade, zwischen denen die Menschen umherirren und miteinander in Konflikt geraten. Nicht viele sind es, die die Gesamtheit des Dienens in seiner Bedeutung für das Leben und in der Heldentat erfassen. Diese wenigen wissen, wie die Stufen des Dienens entstehen. Sie sind bereit, ein lebensnahes Wort dort einzubringen, wo es dem Gemeinwohl dient. Solche selbstlosen Streiter sind bereit, den Bequemlichkeiten des Lebens zu entsagen, nur um den Menschen Erneuerung zu vermitteln. Sie wissen, dass es notwendig ist, die wissenschaftlichen Entdeckungen gleichermaßen mit den geistigen Schätzen zu vereinen. Besonders, wenn die Mehrheit der Menschen in eiliger Suche zusammengeschoben wird, verstehen sie es nicht, die materiellen Fortschritte mit den höheren geistigen Grundlagen in Ausgleich zu bringen. Das gegenwärtige Jahrhundert erinnert an eine gewisse Zeit von Atlantis. Damals vermochte man nicht, das Gleichgewicht zu finden, doch wenn man heute den gleichen Mangel an Übereinstimmung kennt, so werden gewisse lebenskräftige Völker die notwendige Übereinstimmung finden können. Wir sehen, wo das Prinzip der Synthese klar erkannt werden kann. Das wird nicht dort geschehen, wo das Lebenspendel erstorben ist, sondern dort, wo es in äußerst starken Ausschlägen zu schwingen beginnt. Dort versteht man die Bedeutung des Gemeinwohles; dort weiß man, dass es nur aus der Synthese entstehen kann. Diese Formel wurde noch nicht ausgesprochen, reift aber dennoch bereits in der Tiefe des Bewusstseins heran. Urusvati wundert sich zu Recht, dass die Menschen die Bequemlichkeiten des Gemeinwohles genießen, gleichzeitig aber sich gegen seinen eigentlichen Nutzen erheben. Als wandelnde Leichname bereiten sie nur ihr eigenes Grab! Wo und wann werden sie nur beginnen, den Nutzen des Gemeinwohles zu begreifen! Vor allem anderen öffnet das Dienen den Weg zur Erkenntnis des Gemeinwohls. Weder Festgewänder noch Zeremonien, sondern der Dienst an der Menschheit ist Gemeinwohl. Während vieler Jahrhunderte wurde das Wort über die Zusammenarbeit ausgesprochen. Nicht selten kamen die Ideen den herrschenden materiellen Möglichkeiten noch zuvor, doch jetzt haben die Menschen eine Vielzahl nützlicher Anwendungsmöglichkeiten gefunden, und es kommt nun die Zeit, da man sich des Gemeinwohls erinnern muss. Der Denker sagte mitunter etwas scherzhaft: ‘Ich möchte doch gern wissen, für wen wir gerade tafeln, für wen wir unsere Kräfte erneuern. Wenn es nur für uns selbst ist, lohnt es sich nicht, die Speise zu uns zu nehmen.’