Urusvati weiß, wie falsch die Menschen sich die vergangenen Leben auch der berühmtesten Tatmenschen vorstellen. Sie denken, dass diese höheren Geister in allen Leben gänzlich besondere Bedingungen gehabt hätten. Als ob sie nicht Not erfahren und gelitten, keine Verfolgungen hätten erleiden müssen, denen sie doch so oft ausgesetzt waren. Die Menschen können sich nicht vorstellen, dass große Denker wie Platon, Pythagoras oder Anaxagoras als Bewohner der Erde gelebt haben. Man muss sich ein Verständnis dafür anerziehen, dass auch der höchste Tatmensch der Fülle der Gefühle nicht entfliehen kann. Die Feuer der Erkenntnis entflammen umso heller, je höher der Weg im Vorhinein angesetzt ist. Man darf nicht annehmen, dass Platon, durch Verrat der Sklaverei überantwortet, nicht alle Erschwernisse, die mit solch einem Zustand verbunden sind, gespürt hätte. Tapfer erduldete er eine solche Lage, doch in seinem Herzen fühlte er die ganze Bitternis der Ungerechtigkeit. Gerade deswegen vermochte er so über die vollkommene Staatsordnung zu sprechen. Pythagoras, vertrieben, im Elend, spürte die ganze physische Erniedrigung, doch solch ein Prüfstein konnte ihn nicht zum Zurückweichen veranlassen. Auch Anaxagoras, aller Dinge beraubt, vermochte auf diesem dornenvollen Weg die Dornenkrone der Erhabenheit erreichen. Man muss viele Leben miteinander vergleichen um sehen zu können, wie hell die durch Schicksalsschläge entzündeten Feuer leuchten. Das Chaos kann als Hammer betrachtet werden, der die Funken herausschlägt. Nur der Naive kann glauben, dass der Lehrer nichts fühle, da Er über allem stehe. Im Gegenteil, der Lehrer nimmt nicht nur Sein eigenes irdisches Leben wahr, sondern auch das Dasein aller Nahestehenden. Diese Nahestehenden können sich sowohl im grobstofflichen wie im feinstofflichen Körper aufhalten. Sie können sich physisch treffen, sich aber auch außerhalb solcher Begegnung befinden und dennoch im Geiste einander nahe sein. Glaubt nicht, dass der Lehrer für sich isoliert dastehe. Jeder von euch fühlt bereits die Gedankensendungen, doch umso fühlbarer nimmt der Lehrer sie auf. Bezeichnen wir solche Sphären als überirdisch, obwohl sämtliche irdischen Gefühle in ihr in Erscheinung treten. So zergliedern Wir das Sein eigentlich nicht in scheinbare Teile. Mögen die Menschen überirdische Gedanken lieben lernen, dann werden sie verstehen, dass es in der Unbegrenztheit eigentlich weder Irdisches noch Überirdisches gibt – es ist das Sein.