Bruderschaft II, § 264

Urusvati weiß, wie heuchlerisch das menschliche Gebet sein kann. Über die Bedeutung des Gebetes haben Wir bereits gesprochen, doch muss auch der Schaden des heuchlerischen und gedungenen Gebetes angeführt werden. Die Menschen legen sich keine Rechenschaft darüber ab, wie außerordentlich schädlich alles Lügenhafte ist; doch Heuchelei und Bestechung sind die extremsten Formen der Lüge. Man muss sich vorstellen, wie weit jeder lügenhafte Gedanke sich verbreitet. Umso schändlicher ist es, Jenen zu belügen, den die Menschen als Höchsten erachten. Genauso lästerlich ist es, jemand anderen für ein Gebet zu dingen. Es lässt sich auf abscheuliche Beispiele verweisen, da Menschen einen Mord planten und zugleich ein Gebet murmelten. Indessen muss man nicht nur lehren, die Wahrheit zu lieben, sondern auch das Denken über das Weltall ausbilden. Lasst uns nicht fordern, dass die Menschen Astronomen werden sollten, doch kann man raten, Gedanken über die Unbegrenztheit zu hegen. Werden die Menschen etwa noch lügen, wenn sie die Erhabenheit des Weltalls erkennen? Man muss Gedanken solcher Art senden, dass es beschämend wird, einander und sich selbst zu belügen. Es kann leider kein Gesetz geben, das die innere Lüge gegenüber sich selbst verbietet, doch lässt sich ein solcher Bewusstseinszustand ausbilden, in dem es beschämend ist zu lügen. Möge man über die Schönheit der Welt nachdenken, möge man sich daran erinnern, dass jeder Gedanke schon jemandem Bestimmten bekannt ist. Es ist befremdlich, dass die Menschen sich mit der Lehre vertraut machen und nicht zur selben Zeit auch die beschämende Heuchelei und schändliches Tun meiden. Urusvati versteht es richtig, dass die Menschheit der einfachen Worte bedarf. Gerade kommt eine Zeit herauf und hat bereits begonnen, da die Lebensgrundlagen einer Erneuerung unterzogen werden müssen. Es ist unmöglich, dass die Menschen die höheren Energien erkennen und nicht wissen, in wessen Namen sie anzuwenden sind! Der Denker sorgte sich darum, dass jeder Gedanke bereits dem Gemeinwohl diene. Er sprach: ‘Wenn das Volk das Wesen des Gemeinwohles verstünde, so würde das Glück nahen.’

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