Bruderschaft II, § 249

Urusvati weiß, dass Evolution, auch in ihrer eiligsten Form, planmäßig verlaufen muss, da sie anderenfalls vom Chaos überflutet wird. In einer solchen Situation ist es dann besonders schwer, den freien Willen zu beherrschen. Selbst vernünftige Menschen können mitunter das Persönliche nicht entsprechend der Evolution bewerten. Sie verbinden die die Welt betreffenden Fristen nicht mit ihren persönlichen. Dieser Mangel an Verständnis könnte noch schadlos verlaufen, wenn nicht der Widerstand des freien Willens einsetzen würde. Solche Duelle verursachen sehr großen Schaden. Der Mensch verharrt eigensinnig auf seinen Vorstellungen, ohne in Betracht zu ziehen, dass es noch andere Lösungen geben kann. Die Befriedung solchen freien Willens zieht sehr viel Energie ab. Wenn Wir folglich von geistiger Scharfsicht und Beweglichkeit sprechen, so möchten Wir die verhängnisvollen Folgen des Starrsinns verhüten. Und wenn Wir von der Einigkeit sprechen, so haben Wir eine sehr wichtige Errungenschaft im Blick. Es wurde richtig bemerkt, dass der sogenannte Komplex der Unsterblichkeit eine einzigartige Anspannung sämtlicher Energien darstellt. Gerade solche Einigkeit schafft den höchsten Zustand. Doch die Menschen wollen sich nicht zu freiwillig vollzogener Einigkeit erziehen. Sie erachten den Rat zur Einigkeit als etwas Abstraktes und wehklagen, dass der Führer ihnen keinen realistischeren Hinweis gebe. Indessen ist die Vorbereitung der Einigkeit aller Energien die allerwichtigste Lebensgrundlage. Diese Vorbereitung muss sich inmitten des Alltagslebens vollziehen. Lebendige Ethik besteht darin, sich zur Bewusstheit in allem zu erziehen. Doch die Menschen weichen solchen tagtäglichen Übungen geradezu aus. Nicht selten erfinden sie für sich eine Art von Meditation, die an totale Lebensfremdheit grenzt. Die Menschen möchten die höchsten Pläne verwalten, vergessen aber ihre allernächsten Aufgaben. Ein griechischer Philosoph sagte: ‘Wer ein Haus zu leiten vermag, kann auch einen Staat regieren.’ Natürlich ist die Leitung eines Hauses nicht als Suppe kochen zu verstehen, sondern als bewusste Vervollkommnung in allem. Urusvati tut Recht, Briefe über Einigkeit zu sammeln, und ihrer gibt es viele. Wenn ihr jedoch wüsstet, wie unzählbar oft Wir gerade darüber immer wieder sprechen müssen! Man sollte solche Briefe zur Erinnerung in verschiedene Länder senden. Von der Einigkeit müssen die Menschen hören wie vom täglichen Brot. Wenn sich jemand erhebt, um zu versichern, dass er nun genug über Einigkeit gehört habe, so wird dies der zuverlässigste Beweis seiner Unzuverlässigkeit sein. Mit der Zeit wird jedes Wort über die Einigkeit auch seine Anwendung finden. Die große, freiwillig erfolgte Einigkeit wird Stufen der Evolution darstellen. Der Denker sprach: ‘Ich vermag die Himmelskörper in ihrer Entwicklung nicht einzuholen, doch ist es mir dennoch gestattet, ihre Herrlichkeit zu schauen.’

‹ § 248 · Inhaltsverzeichnis · § 250 ›