Bruderschaft II, § 247

Urusvati weiß, wie viel Empörung angebracht ist. Die Menschen, so meint man, sollten dies auch wissen. In Gesprächen muss man diese Anspannung jedoch des Öfteren betonen, anderenfalls wird das Wohlwollen falsch interpretiert und als neutral gedeutet. Darf ein Mensch schweigen, wenn sich ein abscheuliches Verbrechen vor seinen Augen vollzieht? Niemand hat jemals geboten, gleichgültig zu bleiben wenn die Menschenwürde missachtet wird. Es kann nicht zufriedenstellend sein, wenn man euch erlaubt, bei einem Verbrechen dabei zu sein. Und wer hätte das Recht, so etwas überhaupt zu erlauben! Sogar irdische Führer schlagen vor, in Gefahr leben zu lernen. Zu dieser Anspannung raten auch Wir. Ständige Anstrengung ist Disziplinierung der Schwingungen. Wer behauptet, dass Anspannung dem Körper schadet, ist töricht. Im Gegenteil, Anspannung bewusster Aufmerksamkeit bewirkt jenen Kräfteaustausch, der eine Verjüngung ermöglicht. Denkt nicht, dass Anspannung ermüdend wäre. Nur Schwermut unterdrückt die Kräfte, aber Begeisterung schafft eine herrliche Erneuerung. Daher werden wir Anspannung nicht fürchten, nur Unwissende werden sie für ein ermüdendes Leid halten. Lasst sie auf ihrem Friedhof liegen. Der zum Aufstieg bereite Mensch wird jedoch eine wachsende Anspannung als ein feierliches Tor betrachten. Solch ein Mensch wird auch bereit sein, in Empörung zu entflammen, wenn das Höchste in seiner Gegenwart geschmäht wird. Wir lieben es, hell strahlende Empörung zu sehen. Beim Abtreten der alten Welt ist Anspannung besonders oft erforderlich, und man muss in der Lage sein, sie sofort anzuwenden. Der Denker wies darauf hin, dass Empörung über Ungerechtigkeit Blinde heilen kann.

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