Urusvati weiß, dass Scheinheiligkeit auf Herzlosigkeit gründet. Indessen beruht die Verbindung mit dem Höchsten auf dem Herzen, auf Herzlichkeit in all ihrem Ausmaß. Der Zorn der Herzlosigkeit ist sehr groß und zieht weite Kreise. Die Menschen meinen, nur einem einzigen Menschen zu schaden, und ziehen gleichzeitig viele in Mitleidenschaft. Schwer ist das Karma von solch herzlosen Wahnsinnigen. Abstoßend ist ihr Gemurmel vom Höchsten, während sie mit ihren Taten gerade das Höchste schmähen. Herzloses Denken ist die unerträglichste Schändung des Menschengeschlechts. Menschen solcher Art haben den Philosophengeist des Altertums nicht in die Staatsführung miteinbezogen. Platon mit seiner ‘Res Publica’ und Aristoteles mit der ‘Politika’ hatten eine Vereinigung von besonnenen, klugen Schaffenden mit gleichen Zielen im Sinn. Es war ihnen unmöglich, sich mit Tyrannen, Scheinheiligen und Betrügern zufriedenzugeben. Es ist unmöglich, sich einen starken Staat vorzustellen, der aus Scheinheiligen und Betrügern bestünde. Man kann Scheinheiligkeit nicht mit höheren Vorstellungen von Glaube und Wissen in Einklang bringen. Ein lügenhaftes Fundament wird auch einem lügenhaften Bau dienen. Wir billigen keinerlei Äußerung von Scheinheiligkeit und betrachten sie als Pflanzstätte unwürdigster Gefühle. Der Denker wies jede Bekundung von Scheinheiligkeit unter den Schülern ab. Er sagte: ‘In solch einem Fall gehe zu den Opferpriestern und zahle ihnen Gold für ihr Gebet. Sie meinen, dass die Götter gedungene Gebete annehmen würden.’