Urusvati weiß von der Bedeutung feinstofflicher Grenzen. Fürwahr, solche mit Worten nicht beschreibbaren Grenzen werden selten verstanden. Wie soll man es erklären, dass hier etwas erlaubt ist, um Haaresbreite daneben aber bereits unzulässig ist? Nur ein erweitertes Bewusstsein wird verstehen, wo der Unterschied zwischen Aufbau und Zerstörung liegt. Viele alte Kulte vereinigten die Darstellung von Aufbau und Zerstörung in einem einzigen Symbol und wiesen damit auf das Verhältnis von Phänomenen zueinander, über die der irdische Verstand nur sehr grob urteilt. Ebenso schwer mit Worten zu beschreiben ist, inwieweit man auf fremdes Karma Einfluss nehmen kann. Als Beispiel anführen lässt sich ein Lehrer, der seinem Schüler in einer Prüfungsphase helfen möchte. Der Lehrer kann mit aller Kraft seines Geistes wünschen, auf den Schüler einzuwirken, doch dessen verwirrter Geist bemerkt all die gegebenen Zeichen und zustimmenden Blicke nicht. Dem Lehrer ist es nicht möglich, den Schüler mit einem Ausruf von einem Fehler abzuhalten. Bei dem festen Wunsch, dass die Prüfung sich günstig vollziehe, muss der Lehrer schweigen oder kann versuchen, den Schüler mit sehr indirekten Ratschlägen auf den richtigen Weg zu führen. Geschieht nicht genau das gleiche bei der Beobachtung bereits geschaffenen Karmas? Eine Vielzahl von Umständen muss berücksichtigt werden, bevor auch nur der kleinste Eingriff in das fremde Karma erfolgen darf. Hierbei kann man viele Nachbarn berühren und verletzen. Es ist nicht unbegründet, eine solche Grenze als feinstofflich zu bezeichnen. Doch viele Menschen werden darüber lachen, wenn sie hören, dass das Gute und das Böse in enger Nachbarschaft miteinander wohnen. Der Denker wies oft auf diesen Umstand hin. Er führte dazu auch das Beispiel von Schulprüfungen an. Die Menschen hörten nicht gern von Prüfungen. Nichtsdestoweniger bezieht sich dies auf alle Zeiten.