Bruderschaft II, § 208

Urusvati weiß, wie jäh und unerwartet Visionen gewöhnlich auftreten. Besonders beeindruckend können Visionen von lebenden Menschen sein, die einem unbekannt sind. Es gibt mehrere Ursachen dafür. Es kann sein, dass jene Menschen doch nicht so unbekannt sind und man sich schon in der Feinstofflichen Welt traf. Ebenso möglich ist, dass eine auf beiden Seiten identische Schwingung auch eine beiderseitige Vision hervorruft. Wenn die Menschen all ihre Visionen aufzeichneten und sie vertrauenswürdigen Personen erzählten, so würde vieles aufgezeigt werden können. Gerade solche Beobachtungen aber erfolgen meist vergeblich, und das menschliche Bewusstsein verliert die Möglichkeit zu anschaulicher Vertiefung. So spielte irgendwo jemand auf einem Flügel und rief damit Schwingungen hervor, die im Bewusstsein Urusvatis wieder erklangen. Auf diese Weise entstand die Vision einer unbekannten Person. Solche Konsonanzen haben Bedeutung für das feurige Gewebe. Menschen kommen in Harmonie miteinander in Berührung, und schon vollzieht sich eine gewisse Zusammenarbeit. Die Augenblicklichkeit vieler Visionen findet ihre Erklärung in einer Gesetzmäßigkeit der Feinstofflichen Welt: Es existiert keine Zeit im irdischen Sinne. Die Flüchtigkeit der Visionen ist nur scheinbar, da der Mensch sie unter den Bedingungen der grobstofflichen Welt sieht, und feinstoffliche Bilder fließen für ihn schnell vorbei. Wenn wir uns aber unter den Bedingungen der Feinstofflichen Welt befinden, erstaunt uns solche Augenblicklichkeit nicht mehr. So gelangen wir in die Sphäre der Gedanken, und das feinstoffliche Dasein wird uns natürlich. Die Erscheinung der Feinstofflichen Welt vermehrt unsere Erfahrungen, und von dort aus verstehen wir auch das irdische Ungestüm. Der Denker lenkte die Aufmerksamkeit auf den Unterschied in der Wahrnehmung der grobstofflichen und der Feinstofflichen Welt. Er sprach: ‘Um uns herum eilen unsichtbare Wesen dahin, und nur ein leichtes Wehen zeigt uns ihre Anwesenheit an. Manchmal sind sie wie eine hellblaue Wolke, die uns umgibt. Nur selten vermögen wir diese Gäste aus einer anderen Welt zu erkennen. Rufen wir ihnen aber doch zu: Seid gegrüßt, liebe Freunde! Wir öffnen euch unser Herz, und ihr sendet uns Hilfe aus euren herrlichen Räumen.’

‹ § 207 · Inhaltsverzeichnis · § 209 ›