Bruderschaft II, § 202

Urusvati weiß, wie undeutlich die Menschen das Wesentliche von Nichtigem unterscheiden. Nicht genug dessen, spüren die Menschen die Annäherung des Wesentlichen voraus, und anstatt diesem Fundamentalen entgegenzugehen, suchen sie sich mit erfundenen Nichtigkeiten abzuschirmen. Man kann beobachten, dass die Menschen das Nichtige schätzen und es als Mittel hüten, um der Annäherung des Wichtigsten auszuweichen. Sie erkennen nicht, dass im Wesentlichen auch das Schöne enthalten ist. Die Menschen bevorzugen den unbedeutenden Trödel, nur um sich vor dem Glanz des Schönen zu retten. Man muss sehr aufmerksam unterscheiden, welche Arten von Nichtigkeiten den Menschen besonders nahe sind. Nur wenn man diese Insekten kennt, kann man lernen, sie auszumerzen. Vor dem Auftreten des Wesentlichen wird eine besondere Stille bemerkbar, doch gerade dann beginnen die Possenreißer, mit ihren Glöckchen zu klingeln und ihre Schellentrommel zu schlagen. Man kann bemerken, dass die Massen vor großen Veränderungen in Raserei und Gräueltaten verfallen – sie spüren die Annäherung des Wesentlichen bereits voraus. Der Denker sprach: ‘Lasst uns nicht den Unrat von der Straße auflesen, um uns damit die Augen zu verdecken. Man muss sich sehr wundern, dass die Menschen es lieben, sich selbst den Staub in die Augen zu reiben, um nachher eilig den Arzt aufzusuchen. Glaubt aber nicht, dass sie zulassen werden, allen Unrat wegzunehmen, denn sie sind schon mit ihm verwachsen.’ ‘Jeder Held, der mit reinen Augen blicken kann, ist schon eine Gefahr für die Unratverteidiger. Erinnert ihr euch, wie man mit Perikles verfuhr? Möge in den Schulen, gemeinsam mit dem Studium des Lebens der Helden, auch die Beziehungen der Menschen zu ihnen aufgezeigt werden – es wird sich eine Chronik der Menschheit ergeben.’ ‘Lasst uns nicht raten, wie rasch die Menschen damit aufhören könnten, die großen Vollbringer zu fürchten. Mögen sich nur Arbeiter finden, die den Unrat allmählich aus den Augen der Völker entfernen.’ ‘Das Herz leidet unaussprechlich, wenn das Blut durch Unrat verschmutzt wird.’

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