Bruderschaft II, § 201

Urusvati weiß, dass es einen Anlass gibt, wenn Wir über die Einheit sprechen. Wir haben bereits das Beispiel von einem Pferd angeführt, das eine ganze Karawane aufgehalten hatte. Wir haben an den Sinn des Zusammenhaltes eines Gewölbes erinnert, und jetzt weisen Wir wieder auf die Rede des Denkers hin. Er ging einmal mit den Schülern an einer gewaltigen Mauer vorbei, als die Schüler fragten, was Einheit ist. Der Denker wies auf das mächtige Mauerwerk und sagte: ‘Seht, wie diese Steine einander halten. Wir können nicht sagen, wer unter ihnen der wichtigste sei. Sie sind durch nichts verbunden, haben aber doch schon vielen Erdbeben standgehalten. Was sie hält, ist allein ihre Einheit und die natürliche Eigenschaft ihrer flachen Form. Die Menschen kamen zu dem Entschluss, Steine mit Lehm und verschiedenen künstlichen Stoffgemischen zu verbinden, doch solch eine Konstruktion wird oft bei Erdbeben zerstört.’ ‘Wenn die Menschen annehmen, ihre Beziehungen durch künstliche Maßnahmen festigen zu können, werden sie nicht vor dem Zerfall bewahrt sein. Besser und fester werden die Beziehungen, wenn die menschlichen Herzen unmittelbar miteinander in Berührung kommen. Bei einer solchen Konstruktion braucht man keinerlei Zement, selbst wenn er aus Gold gemacht wäre. Hütet euch besonders vor dem goldenen Zement.’ ‘Ich bestätige, dass die Menschen auch in größtem Eifer den Zusammenhalt der Stoffe nicht erreichen können, allein die Herzen der Menschen sind fähig, zusammen eine unzerstörbare Wand zu bilden.’ Ebenso sagte der Denker: ‘Der Mensch kann nicht fliegen, wenn er keine zuverlässigen Flügel hat. Das Symbol des Dädalus wird eine ewige Mahnung sein, doch wir werden noch oft über die fernen Welten sprechen. Wenn wir über sie nachdenken, werden wir auch den Weg zu den Flügeln finden.’ ‘Möge jeder erzählen, wie er sich die fernen Welten vorstellt. Jeder wird Recht haben, indem er seine Vorstellungskraft anspannt, da alles, entschieden alles existiert. Unsere Vorstellungskraft vermag immer nur einen kleinen Teil der Wahrheit widerzuspiegeln.’ ‘Es sollte unter euch wegen der Begrenztheit der Vorstellungskraft jedoch kein Kummer entstehen. Inmitten der Unbegrenztheit wird alles begrenzt sein. Gewöhnen wir uns an das Streben inmitten der Unbegrenztheit.’

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