Bruderschaft II, § 193

Urusvati weiß, wie unbrauchbar der Garten der Kränkungen ist. Der Denker sagte zu den Schülern: ‘Wer vermag sich eurem gerechten Weg zu widersetzen? Nur der Böse und der Unwissende, ihr aber könnt von ihnen gar nicht gekränkt werden. Die Gekränktheit schwächt nur eure Kräfte. Die Gekränktheit vernichtet den Willen und lässt das Leben zu einem Kümmernis werden. Wenn ihr dem Bösen energisch Einhalt gebietet, so handelt ihr freilich nicht infolge von Kränkung, sondern um der Wiederherstellung des Guten willen. Ihr könnt auch deshalb nicht von Unwissenden beleidigt werden, da man ihre Verurteilungen der Wahrheit gar nicht erst anerkennen darf. Man kann Mitgefühl wegen ihrer Unwissenheit empfinden, darf ihnen aber nicht das Recht zur Befragung einräumen. Weise ist es, ihnen überhaupt nicht zu antworten. So möge in den Schulen gelehrt werden, dass ein Mensch, der den rechten Weg geht, nicht gekränkt werden kann. Allein der Unkluge vergiftet sich mit Gekränktheit.’ Die Schüler fragten auch, wohin sie nach dem Tode kämen. Der Denker antwortete: ‘Wir werden uns nicht weit von hier aufhalten, und jeder hat während seines Lebens genügend Zeit, in der er sich schon am Ort des zukünftigen Verbleibs aufhält. Im Schlaf besucht jeder nicht nur einmal die ihm beschiedenen Sphären. Niemand möge denken, ihm sei der Verkehr mit der überirdischen Welt entzogen. Man darf sich nur nicht den Erscheinungen des Tages wie der Nacht gegenüber unvernünftig verhalten.’ ‘Nicht selten sagen die Menschen, dass der Schlaf dem Tode ähnlich sei, doch sie vergessen den wahren Sinn. Der Schlaf gleicht dem Tode nicht, sondern beide sind ein Aufenthalt in der überirdischen Welt. Einige werden auch dort ohne jede Wahrnehmung schlafen, ohne zu lernen und ohne sich zu vervollkommnen. Doch wer sich an das Denken gewöhnt hat, kann auch dort unverzüglich mit der Fortsetzung des Aufstiegs beginnen.’ So sprach der Denker. Ich zitiere Seine Worte, die den Meinigen, früher gesagten, ähneln. Beim Studium des inneren Lebens der Bruderschaft muss man auch vergleichen, wie in verschiedenen Jahrhunderten einander ähnliche Lehren ausgesprochen wurden.

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