Bruderschaft II, § 182

Urusvati weiß, wie schwer die Menschen das Gefühlswissen verstehen. Das rührt von der Trennung des Gefühls vom Gedanken her, doch kann das Gefühl auf einem anderen Fundament als dem des Gedankens gründen? Die Menschen vermischen den Prozess des Denkens mit der Blitzartigkeit des Gedankens als solchem. So lehrte der Denker. Er erkannte die Teilnahme des Gedankens am Leben des gesamten Universums, doch die einfache Bestätigung dessen traf auf erbitterten Widerstand. Als ob sie sich abgesprochen hätten, erkannten die Menschen die Kraft des Gedankens nicht an. Der Lehrer erlitt viel, gerade wegen der Lehre über den Gedanken. ‘Der Gedanke ist ein Blitz’, so sprach der Lehrer. ‘Ihr kennt seinen Entstehungsort nicht. Ihr könnt ihn nicht in Worte fassen. Der Gedanke schlägt im Bewusstsein ein, doch ohne den Prozess des Nachdenkens kann er ungeoffenbart bleiben. Wie ein Samenkorn in einem Grab vermag er ohne Wachstum zu ruhen. Es kann ein Jahrhundert dauern, bis der Same des Gedankens aufkeimt. Solche eingetrockneten Gedanken können dem Führer, der rettende Zeichen in den Raum sendet, Verdruss bereiten. ‘In den Hochschulen muss vor allem anderen die Kunst des Denkens studiert werden. Es ist notwendig, sich zu ständigem Denken zu erziehen und sich der Gedankenlosigkeit zu schämen. Denkt daran, dass Gedankenlosigkeit und Denkfaulheit Chaos bedeuten. Es ist dem Menschen unmöglich, nicht zu denken, ein großer Unterschied besteht jedoch zwischen diszipliniertem, harmonischen Denken und taumelnder Gedankenlosigkeit. Solch ein niedriger Zustand wirkt sich nicht nur auf den Menschen selbst aus, sondern auch auf den Raum. Darf der Mensch etwa den gesamten Raum verseuchen? Wird einmal eine Zeit kommen, in der die Menschen die Macht des Gedankens klar erkennen? Vielleicht werden wir uns schon in fernen Welten befinden, wenn die Menschen den Gedanken als eine besondere Wissenschaft studieren.’ So lehrte der Denker, wobei Er begriff, wie lange der Mensch noch in dem Zustand erstickenden Chaos bleiben würde.

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