Bruderschaft II, § 102

Urusvati fühlt die Wechselbeziehung der Welten. Ihre Grenzen sind indessen gewöhnlich nicht erkennbar. Die Welten lösen sich in viele Zustände auf und gehen sogar ineinander über. Nur das Gefühlswissen vermag die Grenzen solcher Daseinszustände zu erkennen, noch schwieriger jedoch ist es, die Evolution der Welten klar zu verstehen. Wenn alles durch Bewegung lebt, so kann der Zustand der Welten kein bewegungsloser sein. Wir haben bereits über den verdichteten Astral gesprochen, andererseits erreicht die physische Welt die Energie des Gedankens und modifiziert auf diese Weise den physischen Körper. Das heißt, zwischen der feinstofflichen und der physischen Welt entstehen, geradezu vor den Augen der Menschheit, neue Daseinszustände. Auf die gleiche Weise beginnen sich auch neue Daseinsformen zwischen der Feinstofflichen und der Feurigen Welt zu bilden. Diese neuen Wesensglieder schaffen eine Zugkraft nach oben. Niemand sollte daran zweifeln, dass in der Unbegrenztheit solch unbegrenztes Anwachsen möglich ist. Wenn wir uns einen sehr großen Helden auf der Erde vorstellen, so wird er natürlich in der Feinstofflichen Welt erst recht eine einzigartige Macht darstellen. Die Berührung mit dem gereinigten Feuer des Raumes wird ihn in die Feurige Welt ziehen. Und es gibt keinerlei Grenzen, die den Aufstieg eines von Zweifeln unanfechtbaren Geistes behindern könnten. Zweifel ist wie ein Riss in einem Luftballon. Unbegrenztheit bedarf der bestrebten Bewegung. Ich sage dies deshalb, um daran zu erinnern, dass die natürliche Bestimmung des Menschen nach oben gerichtet ist. Aber Zweifel sind nichts anderes als eine durchlöcherte Tasche – in ihr kann man keine Diamanten tragen. Kehren wir zu Unserer Gemeinschaft zurück. In ihr gibt es keinen Zweifel. Die Anziehung nach oben ist gewaltig. Und es sind starke Anstrengungen erforderlich, um sich nicht von der Erde abzuwenden. Die irdischen Ketten der Entsagung sind freiwillig und bewusst auferlegt. Die Opferbereitschaft erwächst aus Liebe; und die Erfahrung früherer Leben hat die Liebe zu den Leidenden entstehen lassen. Die Erfahrung entzündet entweder die Liebe, oder sie verschärft noch den Hass. Doch wer wird der erste sein, der den Hass entfacht? Ist man nicht selbst schon der Hassende? Liebe muss klug und wirkungsstark sein. In einem solchen Verständnis von Liebe kann man aber leicht stolpern oder in Scheinheiligkeit verfallen. Allein Arbeit zum Nutzen der Welt wird Gleichgewicht verleihen. Arbeit wird sowohl Freude wie auch das Verstehen der Unbegrenztheit vermitteln. Und sie wird zum Verständnis der Weltenbewegung führen. Man wird fragen: Worin besteht beispielsweise das beste Prana-Yama, oder: Womit wird der beste Rhythmus ausgebildet, oder: Wie wird der Wurm der Mutlosigkeit besiegt? – Durch Arbeit! Nur durch Arbeit entsteht die Begeisterung zur Vervollkommnung, und durch Arbeit erlangt man schließlich auch die Feuertaufe.

‹ § 101 · Inhaltsverzeichnis · § 103 ›