Unbegrenztheit, § 29

Die höhere Welt erscheint den Menschen manchmal wie eine Halluzination oder Täuschung. Jeder versteht sie auf seine eigene Weise und jeder fürchtet, sein Verstehen des Kosmos zu bekennen. Von der Blickrichtung in bezug auf die Elemente bis zu jener in bezug auf den ‘Mächtigen Schöpfer’ schreckt der Mensch nicht davor zurück, verschiedene Trugbilder zu erzeugen, und er hört nicht auf, überflüssigen Ballast zu schaffen. Der menschliche Geist trägt viele Bündel, und daher rührt die Schwierigkeit des Aufstiegs in die höhere Sphäre. Die Neugestaltung des Lebens mittels kosmischer Feuer wird die Rettung bringen, doch Furcht überkommt die Menschen bei dem Gedanken einer Umgestaltung des Lebens. Die alten, überholten Formen wirken anziehend, und so entstehen Überlieferungen. Betrachtet man den Begriff Überlieferung als zu einem Fundament führend, dann kann davon Nutzen hergeleitet werden, denn ein erweitertes Bewusstsein wird zu dem Vermächtnis der Weisheit führen. Doch die Überlieferungen unseres gegenwärtigen Lebens erlauben dem Geist nicht, zu den höheren Sphären zu streben. Die Kirche hat ihre Dogmen; Familien umgeben sich mit den von ihren Vorfahren errichteten Begrenzungsmauern; Völker verfügen über Gesetze, die sie der Möglichkeit der Selbständigkeit berauben. Wie wollen sie so, beraubt der Schönheit des Geistes, Unbegrenztheit wahrnehmen? Ihr tut Recht, wenn ihr den Schulkindern das Verstehen der unbegrenzten schöpferischen Tätigkeit beibringt. Warum das Kleid des Großvaters mit neuem Glanz versehen? Versucht, den Baumeistern neuer, mächtiger Brücken zu gleichen und strebt dem Leuchten der höheren Welten zu! Keine Trugbilder, sondern Leben!

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