Gemeinschaft, § 237

1927 – II – 21

Verzichten oder vermehren? Natürlich vermehren, vollblütig und freudig, jedoch für das Allgemeinwohl. Das geringste Anzeichen von Sektierertum oder blind ergebener Begrenzung werden der sonnenhaften Evolution der Gemeinschaft widersprechen. Strenge Freude vermeidet Finsternis. Maulwürfe des Verbots und der Begrenzung werden die Sonne nie erblicken. Das Bewusstsein kann sich bis zu einem solchen Grad einer sklavischen Höflichkeit anpassen, dass jeder neue Wissenserwerb als ein Verbrechen oder Wahnsinn erscheinen wird. Könnte denn Wirklichkeit unwissende Begrenzungen dulden? Wir können so sprechen, denn Wir sind keine Anarchisten, sondern Gemeinschaftsmitglieder. Oft haben Wir über die Disziplin des Willens und über den Befehl des Bewusstseins gesprochen. Vor langem wurde der Mut zur Verantwortlichkeit festgesetzt. Jetzt müssen wir unsere Kühnheit auf die Ausrottung des beschränkten Sektierertums und Aberglaubens richten. Der Sektierer träumt von Machtergreifung, um alles seinem unbeweglichen Bewusstsein zu unterjochen. Der abergläubische Mensch fürchtet vor allem am meisten, durch eine zufällige Bewegung ein fremdes Zeichen hervorzurufen und denkt sehr viel an sich selbst. Aberglaube und Sektierertum sind Zeichen von einem sehr niedrigen Bewusstsein, denn das Potential der Schaffenskraft ist für den, dem das Prinzip der Aufnahmefähigkeit fremd ist, zur Nichtigkeit herabgesunken. Es ist notwendig, Sektierertum und Aberglauben in jeder Form zu entlarven. Scheut euch nicht, diese Fragen aufzugreifen, denn damit werdet ihr Lüge und Angst vernichten. Die Gemeinschaft ist der Hort aller Möglichkeiten und aller Aufspeicherungen. Wer die Grenzen und die Macht der Gemeinschaft schmälert, wird zu einem Verräter. Die Gemeinschaft ist der Kelch der sonnenhaften Freude.

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