1926 – XI – 28
Wer seine Hingabe an das Wirkliche und Echte beteuert, muss besonders das Erkennen der Wirklichkeit willkommen heißen. Kein heuchlerisches Gestammel vor der Methode einer anerkannten Autorität, sondern das Ringen und Glühen im Suchen nach Wirklichkeit. Wahrhaftig unaufhaltsam, wahrhaftig unabänderlich in solch feurigem Streben, wo weder ein hoher Berg noch ein kleiner Hügel den Raum verdeckt. Bei den Flügen in die Höhe lernen wir die große Gabe der Geduld. Strahlende, schöpferische Geduld gleicht nicht dem dunklen Umhang der Widerstandslosigkeit dem Bösen gegenüber. Wie erfolglose Fischer sitzen die keinen Widerstand Leistenden gebeugt da. Ihr Einsatz von Garnlänge kann dem Tanz der Elemente nicht Einhalt gebieten. Schöpferische Geduld beinhaltet den Schlüssel zur Welterneuerung, deshalb schafft Geduld eine Macht, die mit jeder Stunde der Wirklichkeit verstärkt wird. Widerstandslosigkeit gleicht einem ausgeströmten Parfümfläschchen, schöpferische Geduld dagegen einem versiegelten alten Wein. Achtet auf die angespannte schöpferische Tätigkeit bei jedem sozialen Aufbau. Jener Aufbau ist echt, der durch vielfältige schöpferische Tätigkeit beflügelt wird. Wird schöpferische Tätigkeit zur Last, so ist dies ein sicheres Zeichen für fehlerhaften Aufbau. Verhindert das Einnisten dieser Fehler. Ruft die Maurer, damit sie die Wände so lange verlegen, bis der Gesang wieder frei erklingt. Eine alte Legende erzählt: ‘Aus einer fernen Welt kam ein Bote, um den Menschen Gleichheit, Brüderlichkeit und Freude zu bringen. Schon lange hatten die Menschen ihre Lieder vergessen und erstarrten in Hass. Der Bote bannte die Finsternis und Bedrängnis, vertrieb Ansteckung und schuf freudvolle Arbeit. Der Hass verstummte, und das Schwert des Boten nahm den Platz an der Wand ein. Doch sie alle schwiegen und wussten kein Lied anzustimmen. Da rief der Bote die kleinen Kinder herbei, führte sie in den Wald und sagte zu ihnen: ‘Das sind eure Blumen, eure Bäche, eure Bäume. Niemand ist uns gefolgt. Ich will mich ausruhen, und ihr erfüllt euch mit Freude!‘ Darauf wagten sie sich schüchtern in den Wald hinein. Schließlich kam der Kleinste zu einer Wiese und sichtete einen Sonnenstrahl. Da ließ eine gelbe Goldammer ihren Ruf erschallen. Flüsternd folgte ihr der Kleine, und bald sang er freudvoll: ‘Das ist unsere Sonne.‘ Sogleich sammelten sich die Kinder auf der Wiese, und eine neue Hymne an das Licht erklang. Der Bote sagte: ‘Die Menschen haben wieder zu singen begonnen. Die Frist ist gekommen!‘