1926 – X – 15
Hütet euch vor Aufdringlichkeit, nicht nur in Bezug auf fremde Einladungen, sondern seid auf der Hut, dass ihr selbst nicht aufdringlich werdet. Es ist unmöglich, den Schaden der Aufdringlichkeit zu ermessen, und man kann nicht ohne Verachtung zusehen, wie die Lehre auf dem Markt mit einem Rabatt verkauft wird. Lernet verstehen, dass die Lehre, im Bewusstsein ihres Wissens, sich niemals auf dem Markt zur Schau stellen wird. Nur eine äußerste Unwissenheit der Nachfolger kann die Lehre in eine solch schmachvolle Lage von Lüge und Speichelleckerei bringen. Man kann jene bedauern, die – ohne unterrichtet zu sein – diese zwecklose Arbeit aufgenommen haben. Doch glaubet nicht, dass, während fremde Aufdringlichkeit verurteilt wird, es leicht ist, seine eigene zu vermeiden. Die Grenze zwischen Bestätigung und Aufdringlichkeit ist sehr fein. Es ist leicht, sich zwecklos zu erniedrigen. Jeder Tropfen aber, der danebenfällt, verwandelt sich in ätzende Säure. Ein gewaltsames Anschwellen ergibt nur Wassersucht, und ihr wisst, dass diese nicht geheilt werden kann. Darum gilt nur Qualität und nicht Quantität. Wer anklopft, nimmt die Verantwortung auf sich, doch der gewaltsam Angelockte wird ein Mühlstein am Hals des Glöckners sein. Darum lasst die Glocke nur zur rechten Zeit ertönen. So werdet ihr Zwang vermeiden.