1926 – X – 4
Die Bildung eines Volkes muss bereits mit der Grunderziehung der Kinder im frühesten Alter beginnen. Je früher, desto besser. Ihr könnt sicher sein, dass Übermüdung des Gehirns nur die Folge von Trägheit ist. Wenn sich die Mutter der Wiege ihres Kindes nähert, spricht sie den ersten Grundsatz der Erziehung: ‘Du kannst alles.‘ Verbote sind nicht erforderlich. Sogar das Schädliche sollte nicht verboten werden, es ist besser die Aufmerksamkeit auf die Folgen und auf das Wünschenswerte zu lenken. Jene Erziehung wird die beste sein, welche den Wunsch zum Allgemeinwohl zu steigern vermag. Es ist nicht notwendig, schöne Vorstellungen auf kindliches Niveau zu verniedlichen, – demütigt Kinder nicht! Denket fest daran, dass wahre Wissenschaft immer mahnend, kurz, genau und schön ist. Es ist notwendig, dass in der Familie wenigstens ein Keim von Verständnis für die Erziehung vorhanden ist. Nach dem siebenten Lebensjahr ist bereits vieles verloren. Gewöhnlich ist der Organismus nach dem dritten Lebensjahr voll aufnahmefähig. Schon bei den ersten Schritten muss die Hand des Führenden die Aufmerksamkeit auf die fernen Welten lenken und auf sie verweisen. Unbegrenztheit muss vom jungen Auge gefühlt werden. Gerade das Auge muss sich daran gewöhnen, die Unbegrenztheit anzunehmen. Es ist notwendig, dass das Wort den Gedanken genau wiedergibt. Falschheit, Grobheit und Spott müssen vertrieben werden. Verrat ist selbst im Keime unzulässig. Zur Arbeit ‘wie die von Erwachsenen‘ muss angespornt werden. Nach dem dritten Lebensjahr nimmt das Bewusstsein leicht den Gedanken der Gemeinschaft auf. Was für ein Irrtum ist es, zu meinen, einem Kind eigene Sachen geben zu müssen! Ein Kind vermag leicht zu verstehen, dass Sachen Gemeingut sein können. Die Behauptung: ‘Ich kann alles‘, ist keine Prahlerei, sondern das Bewusstwerden eines Apparates. Das armseligste Wesen kann den Zugang zur Unbegrenztheit finden, denn jede wertvolle Arbeit erschließt die Tore.