Feurige Welt II, § 38

Jede Belehrung soll nicht nur segensreich sein, sondern auch anziehend wirken. Man kann beobachten, dass viele junge Leute nicht mehr in die Fußstapfen ihrer Väter und Mütter treten. Abgesehen vom karmischen Gründen kann festgestellt werden, dass die Taten der Eltern nicht anziehend wirken. Das gleiche kann in Bezug auf Konfessionen beobachtet werden. Religion, als Rückbindung an die Höhere Welt, muss in erster Linie anziehend wirken. Angst wirkt nicht anziehend und Zwang ist abstoßend. Die Vorstellung vom Höchsten muss in erster Linie anziehend sein. Man kann sich über das Höhere in allem freuen. Sogar einfache Menschen würden sich nicht vom Höchsten abwenden. Um das Höhere zu trüben, wurden ihm abstoßende Taten anheimgestellt. Wer das Höchste trübt, dient bereits der Finsternis. Es kommt weder auf Dogmen noch auf Symbole an – diese Zeichen des Schönsten könnten geschändet worden sein. Wer die Verdunkler auch immer gewesen sein mögen, auf jeden Fall sind sie Gotteslästerer. Wie sollte man solche Verdunkler denn sonst nennen, welche dafür sorgen, dass sich einfache Menschen von den Wohnstätten Gottes abwenden? Ein Gebet zum Höheren zu trüben, ist wie Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. Wurde jemals verlangt, dass man zu seinen Eltern nur in deren Worten sprechen darf? Ebenso verhält es sich auch im Gebet zum Höchsten – wer könnte sein Herz zwingen, sich auf eine fremde Art an das Höchste zu wenden? Wer Gebete, Hymnen und Lieder an das Höchste verfasst, tut dies jeweils mit seinem eigenen Herzen. Man kann den Geist nicht daran hindern, mit den eigenen Schwingen aufzusteigen. Wie und wohin aber könnte man ohne eigene Schwingen fliegen? Jeder, der auch nur die kleinste Feder eines anderen knickt, wird die Verantwortung dafür zu tragen haben! Wenn es eines Gesanges bedarf, so muss es ein Gesang des Herzens sein, nur in diesem Gesang wird die gesamte Schöpfung mitklingen und jeder Gegenstand wird bei einem Lobgesang zum Höchsten mitklingen. Wer einem Nächsten hilft, seinen Lobgesang anziehender zu gestalten, spendet Segen. Kein Dogma ist fähig, die Verbindung mit dem Höchsten zu verbieten. Je schöner diese ausgeführt wird, desto näher wird ES sein. Wenn man einer Hilfe dazu bedarf, so genügt die Anrufung ‘Hilf!’ Sogar dieses einfache Wort muss jedoch anziehend sein. Den Fanatikern, von denen ihr schon viel gehört habt, mangelt es gerade an dieser Anziehungskraft. Viel Finsternis und Abstoßendes wurde gesät! Gäbe es denn eine Sprache, in der man nicht beten könnte? Ein Gebet des Geistes kann in allen Sprachen ausgedrückt werden, wenn Anziehungskraft vorhanden ist, wird auch das Herz in seiner ihm eigenen Sprache erklingen.

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