Erleuchtung, § 357

1925 – VI – 20

Reine Gedanken sind wie das Ozon des Raumes. Wahrlich, man kann mit ihnen die Umgebung anfüllen, doch nur in einem bestimmten Akkord. Einen reinen Gedanken auszusenden und ihn gleichzeitig mit einem Dutzend von Begierden umgeben, ergibt eine schreckliche Dissonanz. Unter Akkord versteht man eine Reihe von klingenden Tonfolgen. Deshalb schätzen wir auch eine Reihe aufeinanderfolgender Taten. Nicht ein gelegentlicher wohlwollender Ausruf, sondern das bewusste Tun in Beständigkeit ist von Nutzen. Ein Papagei konnte schreien: ‘Gesegneter Lehrer!‘, doch dadurch verbesserte er seine Möglichkeiten nicht. Ein Bär ließ seine Beute versehentlich auf der Türschwelle eines Hungernden liegen, doch er blieb trotzdem ein Raubtier. Eine Biene stach in das Geschwür eines Kranken, doch sie erwarb damit nicht die ewige Seligkeit. Auch Schlangen retteten mit ihrem Gift manches Leben. Nur bewusstes Handeln und Beharrlichkeit führen zum Erfolg. Betrachtet das Lächeln der Heldentat als leicht. Heldentat, die aus Zuverlässigkeit erwächst, strahlt wie die leuchtende Sonne. Wie die Süße der Frucht nicht von der Schale abhängt, so soll auch eure Tätigkeit außerhalb der Masse verlaufen. Nur wenn ihr die Masse meidet, werdet ihr Zugang zu den Menschen finden. Ich kann mir vorstellen, wie ein gegenwärtiger Staatsminister oder der römische Papst in einem Auto bei Unseren Türmen vorfahren. Was ist dies eher, eine Komödie oder eine Tragödie? Auf alle Fälle würde ein einfacher Mongole würdiger vorgehen, denn in ihm ist der Nerv der Wahrnehmung noch unversehrt. Freunde! Haltet das Organ der Wahrnehmung sauber. In dieser Esse werden die reinen Gedanken geschmiedet. Blickt auf sie nicht wie auf seltsame Himmelsbewohner, die nur zu den Feiertagen herniedersteigen, sondern wie auf eine Mahlzeit im Alltag.

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