Erleuchtung, § 319

1925 – V – 2

Es wurde gesagt: ‘Die Schmähung des Geistes ist das Erbärmlichste von allem, denn wer gegen den Geist spricht, kennzeichnet sich als Unwissender.‘ Den Geist zu lästern, ist die schlechteste der Eigenschaften. Es ist über Heilige gesprochen worden, doch für wen kann man diesen Begriff anwenden? Wer Wunder vollbringt, ist ein erfahrener Magier. Wer sein Leben natürlich lebt, ist ein praktischer Mensch. Nur wer bewusst allem Persönlichen entsagt und sein Bewusstsein in die Welt der Evolution übertragen hat, kann Unserer Überzeugung nach als Heiliger bezeichnet werden. Es ist unerlässlich, dass sich dieser Prozess bewusst, außerhalb von zufälligen äußeren Bedingungen, vollzieht. Es ist unmöglich, eine neue Religion gewaltsam einzuführen, sie würde zu einer schändlichen Missgestalt. Der Weg der Abkehr vom Hässlichen im Leben regt den Geist zu wahrem Suchen an. Dann wird die offensichtliche Verbindung der Welten untereinander zu wissenschaftlichen Überlegungen zwingen. Dieser unaussprechliche Gedanke bedeutet Beginn der geistigen Disziplin. Dieses Suchen ist nicht persönlicher Art und erweckt den Reflex der Tat; es wird Heldentat genannt. Im allgemeinen ist es besser, das Wort ‘Heiliger‘ durch den genaueren Begriff ‘Held‘ zu ersetzen. Die Heldentaten im Leben sind endlos. Ohne Heuchelei sind Wir imstande, ihre augenscheinlichen Offenbarungen zu verkünden. Die Heldentat im Leben muss mit menschlichen Händen vollbracht werden.

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