Erleuchtung, § 300

1925 – III – 13

Über das innere Verstehen von Sprachen berichtet folgende Legende: Eine Hohepriesterin besaß die Fähigkeit, fremde Sprachen zu verstehen und hatte damit glänzende Erfolge zu verzeichnen. Botschafter aus fremden Ländern redeten zu ihr in ihrer Sprache und sie verstand sie. So entstand die Legende von der ewigen Sprache. Doch die Volksmassen wollten öffentliche Beweise. Es wurden viele Ausländer herbeigeruf’n, und die Hohepriesterin wurde trotz ihrer Weigerung aus dem achten Stockwerk herbeigeholt. Doch vor dem Volk ereignete sich nichts, und die Fremden wiederholten vergeblich ihre Reden. So wurde eine der besten Möglichkeiten zerstört. Doch diese kann sich wieder ergeben, wenn man die Beschaffenheit der Aura studiert; denn diese stellt die Brücke sowohl zum Segen als auch zum Negativen dar. Die Fähigkeit, die Muttersprache eines anderen zu verstehen, hängt nicht vom Ohr ab, sondern von der Berührung der Zentren des anderen über die Aura. Deshalb ist es besser zu sagen, ich habe verstanden, als ich habe gehört. Bezüglich der Aura ist daher weniger ihre Farbe als ihre innere Spannung von Bedeutung.

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