Erleuchtung, § 214

1924 – VIII – 5

Über die Nichtentprechung bei Fristen. Es gibt unbedeutende Bächlein und weltbewegende Ereigniswellen. Wie könnte man ein Bächlein mit einem Ozean verwechseln? Die Erdbewohner haben jedoch nichts Eiligeres zu tun, als Persönliches und Weltbewegendes durcheinanderzuwerfen. So wie man die Qualität eines Stoffes mit der Hand erkennt, so müsst ihr die Bedeutung von Ereignissen mit dem Geist erkennen. Ihr dürft euch auch nicht von scheinbarer Größe täuschen lassen, denn zwischen großen Ereigniswellen können sich auch unterschiedlichste Seifenblasen befinden und Bächlein ändern ihre Fiesrichtung mitunter sprunghaft. Zufälligkeiten, Stille und Unbehagen haben nichts mit Ereigniswellen zu tun. Ein Boot erhebt sich nicht mit jeder Welle, aber eine Hauptwelle hebt es sofort empor. Das schwächste Boot wird am härtesten getroffen, sogar schon von der Gischt in der Luft. Dementsprechend darf die Angemessenheit den Ereignissen und Fristen gegenüber nicht vergessen werden. Die Beschleunigung des Ereignisstromes kann den Organismus besonders beeinflussen. Die Ereignisvielfalt scheint manchmal die Verbindung zu trennen, aber das ist nur vorübergehend bis sich der Organismus an die doppelte Geschwindigkeit der Ereignisse gewöhnt hat. Die Vielfalt der Eindrücke kann die physische Wahrnehmungsfähigkeit erhöhen. Wenn Ereigniswellen eine nahende Veränderung anzeigen, sollte man sich nicht übermüden. Wenn sich ein Wanderer ausruht, so bedeutet dies nicht, dass er von seinem Pfad abgekommen wäre.

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