Erleuchtung, § 169

1924 – VI – 1

Es kann nun gefragt werden, weshalb beschlossen wurde, auf Wunder zu verzichten? Der Weg der Wunder ist von der Harmonie zu weit entfernt. Entweder geht das Wunder verloren, dann ist es schädlich oder es zieht den Menschen auf eine Stufe hinauf, die für die ihn umgebende Atmosphäre nicht mehr tragbar ist und in den Augen der Neider Böses hervorruft. Den Möglichkeiten tapfer ins Auge zu seh’n, das volle Licht zu durchdringen und der ungewöhnlichen Erscheinungen sich bewusst werden bedeutet, sich der Harmonie nähern. Den Weg des erweiterten Bewusstseins gehen heißt, wirkliche Taten zu vollbringen. Der Strahl des Verstehens der kommenden Nacht kann bereite Seelen vereinen; ohne diese Bereitschaft hingegen verwandelt sich jegliches Wunder in Neugierde. Man kann über Kräfte verfügen, doch nicht um sich zu produzieren, sondern um sie für eine fortschrittliche Tätigkeit einzusetzen. Wenn das Wesentliche für die Masse nicht sichtbar ist und keine Aufmerksamkeit erweckt und die Folgen verhüllt bleiben, dann wird solch eine Begebenheit in das Bewusstsein des Volkes eindringen und es zur Anerkennung einer scheinbar von Menschenhand geschaffenen Tatsache zwingen. Auf diese Weise entstehen durch Einwirkung der höheren geistigen Schöpferkraft die von Menschen vollbrachten Taten. Dem Geist geziemt es, im Geist zu verbleiben. Die führende Hand möge die ird’sche Richtung weisen, denn durch menschliche Hand Geschaffenes erweckt keinen Hass. Im Altertum war es Sitte, bei der Offenbarung der göttlichen Gebote das Antlitz zu verhüllen, und dann versuchte man durch das Bekenntnis, dass man die Kräfte noch nicht gemeistert habe, die Materie zu bezwingen. Natürlich wurde dadurch die Inquisition ins Leben geruf’n. Das Wesen der Inquisition besteht darin, das Ungewöhnliche zu verfolgen. Das Ungewöhnliche als Folge der ZUSAMMENARBEIT zu erklären, zwingt sogar die Dümmsten dazu, es anzunehmen. Deshalb belasst die Wunder im Bewusstsein der wenigen, die in die Unbegrenztheit blicken können. So ergibt sich das Gegenteil vom Altertum. Früher haben die Priester die Wunder für die Massen gehütet, jetzt sind die Wunder nur noch für die Priester da. Streben nach wahrhafter ZUSAMMENARBEIT ist Grundlage der Evolution. Aufbau in ZUSAMMENARBEIT – ist die einzige Rettung! Man kann das Fortschreiten der Ignoranz nur aufhalten, indem man schöpferische Tätigkeit ins Leben ruft. Auch wenn deren Ergebnisse zunächst noch Ungeheuern gleichen, auch wenn man auf Hinterhöfen zunächst noch versucht, aus irgendwelchen Strahlen eine Sonne zu machen, so wird der sich ewig bewegende Strom der Entwicklung dennoch die Grenzen der Materie überschreiten. Neue Entdeckungen werden zur ZUSAMMENARBEIT anspornen. Anstatt sich Börsenspekulationen zuzuwenden, muss man das Prinzip der ZUSAMMENARBEIT unermüdlich bestrebt unterstützen.

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