Erleuchtung, § 156

1924 – V – 8

Versteht es, den Wellen des Lebens in Schönheit zu begegnen. Das Leben bietet keine Süßigkeiten, sondern es bedeutet das Schmieden eines Schwertes. Keine süßlichen Finger, sondern die mächt’ge Hand des geistigen Kämpfers verlangt das Leben. Dem Feind zu begegnen, ohne ihn anzuerkennen, die Tore zu erreichen, ohne sich umzudrehen, das ist Unser Weg. Wir kennen die Haltung der auserwählten Sieger. Wesentlich ist es, auf dem Weg nicht zu springen. Wichtig ist es, dass Wir Uns über eure Standhaftigkeit freuen können. Schicklicher für den Strahl ist es, die Wandernden zu erleuchten, als hinter den Hüpfenden nachzulaufen. Vieles vermochten die Menschen, selten konnten sie es in Schönheit beenden. Bei Morgendämmerung oder bei Abenddämmerung, beim Vormarsch oder beim Rückzug, beim Flug oder beim Untertauchen denkt an Uns, die Wir euch beobachten. Schönes wird auch würdevoll sein. Man braucht gar nicht in Geschichtsbüchern nachzulesen, dass Riesen beim Überschreiten eines Baches in Verlegenheit gerieten, dass Leichtes durch Unschönes getrübt wurde, der Verstand schwankte und an Schönheit verlor. Schwierige Aufgaben bedeuten für den Mathematiker bloß Freude. Dann bleibt noch die Macht des Schweigens, von der bereits gesprochen wurde.

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