Bruderschaft II, § 865

Urusvati weiß, welches das Wesen augenblicklicher Erleuchtung ist. Vor langem wurde gesagt: ‘In einem einzigen Seufzer versetzen wir uns in die Überirdische Welt.’ Ein einfacher Rat, doch um ihn herum haben sich viele Missverständnisse angehäuft. Nach einer ausgiebigen Mahlzeit seufzen die Menschen, ohne sich jedoch irgendwohin zu versetzen. Ebenso seufzen sie bei alltäglichem Missgeschick, ohne sich aber in die Überirdische Welt zu versetzen. Der Mensch seufzt im Zorn und in Gereiztheit, versenkt sich jedoch nur noch tiefer ins Irdische. Nur sehr wenige verstehen, dass Erleuchtung viele Bedingungen erfordert. Nötig ist vor allem Stille des Herzens, doch diese Ruhe ist nicht leicht erreichbar. Ebenso schwer zu verstehen ist, dass der Chemismus der Erleuchtung überaus kompliziert ist, wenn von außen und innen die Verbindung mit dem Höchsten bestätigt wird. Der Mensch ist nicht fähig, mit dem Verstand zu erkennen, wann und warum eine solche gute Verbindung entstehen wird. Der Verstand ist hier ein schlechter Ratgeber! Statt Hilfe zu leisten, kann er in einen Irrtum führen. Allein das Herz vermag die heilige Stille zu erfühlen, und in einer solchen Bestrebung entsteht wahres Gefühlswissen. Solch ein hochstehendes Empfindungsvermögen kann bei erfahrenen Menschen das ganze Leben erfüllen, ohne dass sie dadurch von ihrer Arbeit abgingen. Die höchste Qualität wird die Arbeit eines solchen erleuchteten Tatmenschen erfüllen. Herrliche Erleuchtung steigt zum Herzen herab, und der Mensch wandelt das Leben in ununterbrochener Heldentat um. Der Denker gebot: ‘Haltet den Eingang rein, damit der Bote eintreten kann.’

‹ § 864 · Inhaltsverzeichnis · § 866 ›