Urusvati weiß von der Macht des Gleichgewichts. In den verschiedenen Epochen gaben die Menschen dem Gleichgewicht die Bezeichnungen: Mittlerer Weg, Goldener Weg, Waage der Weisheit, Großer Rhythmus, Überirdischer Atem. Gleichzeitig versicherten die Unwissenden, Gleichgewicht sei nichts anderes als Gleichgültigkeit. Sogar der Begriff des Nirwana entging verschiedenen Fehldeutungen nicht. Die Menschen sind nicht in der Lage zu verstehen, dass das Nirwana höchste harmonische Anspannung darstellt. Die Deutung des Gleichgewichts erleidet das gleiche Schicksal. Indessen bedarf die Welt gerade jetzt der Waage der Weisheit. Es muss erkannt werden, dass der wütende Hass das Schiff der Menschheit zum Kentern bringen kann. Ein weiser Steuermann ist nicht nur in der irdischen, sondern auch in der Überirdischen Welt vonnöten. Woher aber soll ein Verstehen des Gleichgewichts kommen, wenn in den Schulen die Wissenschaft des Denkens nicht gelehrt wird? Die Kinder müssen lernen zu erkennen, wo Gleichgewicht und dessen Schwester, die Gerechtigkeit, erforderlich sind. Die Menschen gehen fälschlicherweise davon aus, Gerechtigkeit sei ein relativer Begriff; jeder habe seine eigene Gerechtigkeit und sein eigenes Gutes. Solcher Irrtum kann Schaden verursachen, der nicht wieder gutzumachen ist. Die Gerechtigkeit und das Gute scheinen unbestimmte Begriffe zu sein, doch braucht man nur auf die innere Grundlage des Bewusstseins zu blicken, um die unzerstörbare Grundlage des Daseins zu erfühlen. In die Tiefe des Herzens kann man nur bei Vorhandensein wahren Gleichgewichts blicken. Es wird keine unbewegliche Ruhe sein, denn Gleichgewicht beruht auf lichter Erkenntnis und einer Anspannung sämtlicher Energien. So lasst uns das Gleichgewicht, als zuverlässige Brücke zur Überirdischen Welt, nicht vergessen. Der Denker riet: ‘Webt euch die Flügel des Gleichgewichts, dann werdet ihr auch in keinen Strudel fallen.’