Bruderschaft II, § 800

Urusvati weiß, dass Gleichgültigkeit einem fauligen Brunnen gleicht, in dem sich nicht einmal die Sterne widerspiegeln. Die Wanderer hüten sich, bei ihm Rast zu machen. Es ließen sich viele weitere Beispiele anführen, die auf die tödliche Gleichgültigkeit passen. Sie ist für den Menschen nicht nur im irdischen Leben verderblich, sondern mehr noch in der Überirdischen Welt. Ein solcher Mensch kann sich nicht vervollkommnen und versinkt unwillkürlich in Unwissenheit. Verwechselt Gleichgültigkeit nicht mit Ruhe. Ruhe ist ein lichtes Morgenrot, Gleichgültigkeit jedoch stockfinstere Dunkelheit. Ruhe ist ein Lächeln der Freude, Gleichgültigkeit jedoch eine verzerrte Grimasse. Die Menschen suchen ihre Unwissenheit nicht selten hinter einer Gleichgültigkeit zu verbergen, doch ist ein solcher Genosse sehr gefährlich und ansteckender als eine tödliche Krankheit. Der Tod existiert für einen erleuchteten Geist nicht, doch ist Gleichgültigkeit ein Zeichen des Todes. Der Gleichgültige kann in der Überirdischen Welt in einen langen Schlaf fallen. Weder erwacht sein Herz zu lichten Flügen, noch kann irgendetwas den schlafenden Holzklotz erwecken. So verdichtet sich sein Karma, und nichts als ein qualvoller Kampf steht demjenigen bevor, der seinen Weg verloren hat. Möge der Mensch die Gleichgültigkeit vertreiben. Möge er klar erkennen, worin seine Bestimmung besteht. Möge der Wanderer scharfsichtig und tätig in die Unbegrenztheit streben. Der Denker sprach: ‘Selbst die Tiere sind nicht gleichgültig.’

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