Bruderschaft II, § 792

Urusvati weiß, wie verderblich der Wurm der Unzufriedenheit ist. Durch Unzufriedenheit welkt man, siecht dahin und vertrocknet. Narren werden fragen: ‘Wie kann man Unzufriedenheit verurteilen, wenn auf der anderen Seite geboten wird, sich nicht mit seinem Bewusstseinszustand zufriedenzugeben?’ Antwortet: ‘Seid ihr etwa unfähig, zwischen Unzufriedenheit und dem Verlangen nach Vervollkommnung zu unterscheiden? Aus dem Streben zur Vervollkommnung erwächst Freude, aus klagender Unzufriedenheit jedoch Kummer.’ Viele sind im Wirbel sinnloser Unzufriedenheit zugrunde gegangen. Sie haben sich sowohl ihren irdischen als auch den überirdischen Weg abgeschnitten. Der Tatmensch freut sich darüber, dass er Mensch ist. Dieses Menschsein lehrt ihn, dass er sich in jedem beliebigen Umstand der großen Bewegung anzuschließen vermag. Er handelt gedanklich und ist in der Lage, bereits dadurch auf dem Weg voranzukommen. Der Weg der Selbstaufopferung gewährt Unzufriedenheit keinen Raum. Jedes lichte Verlangen nach Vervollkommnung wird bereits einen vollen Sieg darstellen. Möge sich jeder dessen bewusst sein, dass der überirdische Weg kein Weg der Unzufriedenheit sein kann. Dornengestrüpp wird sich in Rosen verwandeln, wenn der Wanderer die herrliche Weite lieben gelernt hat. Niemand kann es verbieten, zur Überirdischen Welt zu streben und zu spüren, wie schön sie für alle ist, die sich ihr zuwenden können. Möge innige Freude denjenigen begleiten, der die Bewegung des Erfolges gefunden hat. Der Denker wies darauf hin, dass Freude den glücklichen Suchenden geboten ist, doch müsse der Mensch es lernen, in Freude zu suchen.

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