Bruderschaft II, § 70

Urusvati ist zu Recht entrüstet angesichts der Unwahrheiten, die man über Uns schreibt. Wenn man tatsächlich alle über Uns erfundenen Geschichten sammeln wollte, so erhielte man eine noch nie dagewesene Sammlung von Lügen. Symbolische Formulierungen, durch die Jahrhunderte entstanden, haben sich zu wirklichkeitsfremden Sammlungen über irgendwelche Schätze verwandelt, auf denen die Herrscher Schambhalas angeblich thronen würden. An den ausgeschmückten Erzählungen aus Tibet wird man schwer erkennen, wie sich die entsetzlichsten Übertreibungen angehäuft haben, doch dort hat das Volk den Ort des Weltmittelpunktes ausgeschmückt darstellen wollen. Die Kämpfer Schambhalas sind unüberwindlich und unzählbar. Der Führer vernichtet alles Böse im Kampf und behauptet die Herrschaft des Guten – so denkt der Osten und bewahrt damit die Legende über den Sieg des Lichts im Herzen. Jede Ausschmückung zur Verherrlichung des Lichts ist verzeihlich, doch die Denkweise des Westens ist entgegengesetzt. Er möchte alles entweihen, die schützende Hülle in einem solchen Maße herunterziehen, bis er zu nichts anderem als einer gemeinen Herabsetzung gelangt ist. Richtet eure Aufmerksamkeit darauf, wie man im Westen über die Weiße Bruderschaft spricht. Die Mitglieder der Bruderschaft säßen im Restaurant, dächten sich Erschütterungen der ökonomischen Grundlagen aus, Sie würden aufschneiden, sich irren, andere irreführen, wären unfähig, Menschen richtig auszuwählen, zögen die Staaten in Aufstände und Kriege, dächten über Verschwörungen nach und brächten Herrschergeschlechter zu Fall, Sie mischten sich unentwegt in das ruhige Leben der Familien ein und fügten der Kirche Schaden zu, Sie wären unfähig, die Überlieferungen des Altertums zu wahren – mit einem Wort, man kann alle möglichen, unverzeihlichen Verbrechen aufzählen, und das Finsterste davon wird Uns zugeschrieben werden. Dabei lasst uns nicht vergessen, dass alle diese Beschuldigungen von Leuten vorgebracht werden, die über die Weiße Bruderschaft ein äußerst wichtigtuerisches Wort führen. So kann man hören, dass Bruder R. in den Karpaten lebte, doch das wäre ebenso richtig, wie dass Ich in London wohne. Bruder R. ist unzweifelhaft in den Karpaten gewesen, ebenso wie Ich mich zeitweise in London aufgehalten habe, doch es ist unzulässig, die Menschen irrezuführen, indem man Uns einen solchen ständigen Wohnsitz zuschreibt. Ebensowenig darf man annehmen, Bruder H. lebe in Deutschland, auch wenn einige seinen Wohnsitz gern auf die Gegend um Nürnberg festlegen möchten. Es lassen sich viele Beispiele anführen, wie die Menschen willkürlich über Uns verfügen, während sie sich obendrein selbst bestenfalls als eingeweiht bezeichnen wenn nicht gleich als Mahachohan. Unwissende füllen Bücher mit angeblich von Uns autorisierten Mitteilungen und Anweisungen, doch geben sie solche Anweisungen wieder, als seien es persönliche Wünsche. So kann man sich vorstellen, wie sehr Unser Leben durch solche Hirngespinste erschwert wird. Um Uns dann vollends zu diskreditieren, werden irgendwelche Portraits in Umlauf gesetzt und Versammlungen organisiert, auf denen die verräterischsten Persönlichkeiten sich nicht schämen, Fremden etwas von außerordentlichen Visionen vorzuflüstern. Natürlich existieren besondere Vereinigungen, die auf schlimmste Zerstörungen ausgerichtet sind. Von ihnen sprechen Wir nicht, ihre Herkunft ist völlig klar. Wir möchten hingegen die Aufmerksamkeit auf das Verhalten jener lenken, die beharrlich von der Weißen Bruderschaft sprechen und sie gleichzeitig mit Schimpfworten bedenken.

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