Bruderschaft II, § 660

Urusvati weiß, dass Beobachtungsfähigkeit sich unter ständiger Bestrebung, Scharfsicht und Bereitschaft ausbildet. Als Wir von unaufhörlicher Wacht sprachen, nahmen einige an, die Rede sei von irgendetwas Ungewöhnlichem unter besonderen Umständen gewesen. Sie vermochten es nicht zu fassen, dass Beobachtungsfähigkeit eine überaus gewöhnliche Eigenschaft ist; zumindest sollte sie es sein. Schon der einfachste Aufbau erfordert hohe Aufmerksamkeit. Man darf nicht denken, solch eine Eigenschaft bedürfe irgendeiner höheren Eingebung. Die Menschen suchen gern für jeden beliebigen Fehler eine Rechtfertigung. So sagen sie: ‘Heute bin ich zerstreut’, ohne jedoch über die Bedeutung solch eines bedauernswerten Zustandes nachzudenken. Zerstreut zu sein bedeutet, äußerst zerstörerische Einflüsse in sich zuzulassen. Man kann unmöglich über das Überirdische nachdenken, wenn das Denken zerstreut ist. Einen zerstreuten Führer erwartet eine Niederlage. So kann Tapferkeit niemals zerstreut sein. Man spricht von der Klinge der Tapferkeit, doch mit einer Handvoll Sand ist Tapferkeit nicht zu vergleichen. Beobachtungsfähigkeit muss man erlernen. Ohne Beobachtungsvermögen kann man sich keinerlei Wissen aneignen. Einem Zerstreuten können Wir kein Zeichen geben. So muss gerade in den Gesprächen über das Überirdische die grundlegende Eigenschaft der Beobachtungsfähigkeit bekräftigt werden. Man kann Menschen begegnen, die versichern, infolge von Ermüdung die Beobachtungsfähigkeit verloren zu haben. Der Denker sagte dazu: ‘Ein Vogel verlernt auch im Käfig das Fliegen nicht.’

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