Bruderschaft II, § 624

Urusvati weiß, dass wütendste Verneinung neben begeisterter Anerkennung wohnt. Stellen wir uns einen Kreis vor, in der Art des geschlossenen Ringes einer Schlange, und setzen fest, der Kopf sei das Zeichen höherer Anerkennung; wir sehen dann, wie das Anerkennen sich verringert und schließlich in Gleichgültigkeit übergeht, die die Schwelle zur Verneinung bildet. Die Verneinung lebt im Schwanz der Schlange und ist derart wütend und leidenschaftlich, dass man den Verdacht hegen könnte, in ihr verberge sich Anerkennung. Es gibt viele Beispiele, da sich wütendste Verfolger in ergebenste Anhänger verwandelten. Man muss sich daher besonders vor Gleichgültigkeit, dem Vorläufer der Verneinung, hüten. Nach der Gleichgültigkeit verläuft der Weg zu den schändlichsten Formen der Verneinung. Doch hier beginnt in der Tiefe des Bewusstseins schon der Sturm, und die Polarität schafft eine Anspannung, in der bereits die Wahrheit erklingt. Das Chaos kämpft und zeigt sich stürmisch, doch die angespannte psychische Energie überwindet die Finsternis und vermag eine herrliche Apotheose hervorzurufen. Daher beobachtet, in welchem Stadium sich die Verneinung befindet. Möge sie einer Verfluchung auf dem Wege nur voraneilen; in den frühen Stadien wird sie nämlich noch nicht die Energie zur Erleuchtung bringen. Doch möge die Explosion eintreten, in der das Strahlen des Lichts eine Annäherung an die Wahrheit bewirkt. Ein solches lebendiges Beispiel kann man heute oft beobachten, da die Erdbewohner sich geradezu unversöhnlich entzweit haben und hier nur noch eine Explosion eine merkliche Wandlung herbeizuführen vermag. Der Denker sprach: ‘Leonid verfolgt und beschimpft mich so sehr, dass ich allmählich denke, in ihm entstünde Freundschaft. Doch nein, ich irre mich, seine Wut ist noch nicht leidenschaftlich genug.’

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